Afghanistanvortrag an der ASS

Im Rahmen der Nürtinger Eine-Welt-Tage und Friedenswochen fand am Donnerstag, 26. Oktober 2017 an der Albert-Schäffle-Schule ein Vortrag über Afghanistan und die Problematik von Migration und Fluchtursachen statt. Zu Gast waren Dr. Reinhard Erös und seine Frau Annette, welche mit ihren fünf erwachsenen Kindern die privat initiierte „Kinderhilfe Afghanistan“ betreiben. Die Fachschaft Religion / Ethik hatte hierzu alle Klassen der verschiedenen Berufskollegs eingeladen, so dass sich in der fünften und sechsten Stunde des Vormittagsunterrichts ca. 200 Schülerinnen und Schüler sowie einige Lehrkräfte in der Aula versammelten.

Reinhard Erös war zunächst Zeitsoldat, studierte dann Medizin und Politikwissenschaft und diente hierauf als Arzt bei der Bundeswehr, bevor er sich beurlauben ließ, um mehrere Hilfsaktionen u.a. in Indien, Pakistan, Bangladesch, Ruanda und Osttimor zu unterstützen. Seit den 1980er Jahren engagiert sich der Referent in Afghanistan und hat hierzu 1998 mit seiner Familie die „Kinderhilfe Afghanistan“ gegründet. Diese private Hilfsorganisation leistet in den Ostprovinzen Afghanistans humanitäre Hilfe und unterstützt durch den Bau von Dorf- und Oberschulen, Waisenhäusern, Krankenstationen, Computerausbildungszentren und Berufsschulen. Vor zwei Jahren konnte die „Deutsch-Afghanische Friedensuniversität“ eingeweiht werden. Dabei ist ihm die Aufklärung in den westlichen Ländern ebenso ein wichtiges Anliegen, weshalb er bereits in mehr als 3.000 Vorträgen u.a. an Schulen über die humanitäre und politische Situation in Afghanistan berichtet hat. Er lebt in Mintraching bei Regensburg.

 

Die den Vortrag leitende Frage war für Reinhard Erös: Was hat Afghanistan mit mir zu tun? Die 16- bis 18-jährigen Schüler lauschten gebannt dem Bildervortrag, anhand dessen der Referent von seinem vielfältigen Engagement in Afghanistan berichtete und versuchte, die jungen Menschen wachzurütteln und zu sensibilisieren: „Kostenfreier Zugang zu Bildungseinrichtungen, nur 4 % Arbeitslosigkeit – wir leben hier im Paradies!“, so der Referent, der dafür warb, sich selbst aktiv in der Gesellschaft zu engagieren: „Es geht um euer Leben, um eure Zukunft!“ Eindringlich hob Erös hervor, dass junge Afghanen weiterhin zu uns kommen werden, wenn es nicht gelinge, Bildung und Arbeitsplätze in Afghanistan zu etablieren – und dazu brauche es kein Militär.

Weltweit sind 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Infolge der Globalisierung und des Internets wissen alle, in welch paradiesischen Zuständen wir leben. Laut Entwicklungsminister Gerd Müller sind in Zukunft 100 Millionen Klimaflüchtlinge zu erwarten. Dr. Erös stellte die Frage, was junge, kräftige Afghanen veranlasst, ihre Heimat zu verlassen und einen gefährlichen und teuren Fluchtweg auf sich zu nehmen. Der Referent weiß, dass die jungen Leute im Grunde nichts anderes wünschen als einer guten Arbeit nachzugehen, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Dem gegenüber stehen jedoch 90 % Arbeitslosigkeit, 46 % Kindersterblichkeit und medizinische Unterversorgung: nur ein Arzt auf 250.000 Menschen. Besonders in ländlichen Gebieten gibt es zu wenig säkulare Schulen. So gibt es für Familienväter keine Alternative, als ihre Kinder in einfache Koranschulen zu schicken, wo sie keine allgemeinen Kulturtechniken erlernen und möglicherweise indoktriniert und den Taliban in die Hände gespielt werden. Um dieser Perspektivlosigkeit zu begegnen, setzt Dr. Erös auf Bildung und Arbeit vor Ort. Doch dem Referenten ist es ebenso wichtig, die Jugendlichen für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge zu sensibilisieren, so dass sie sich diesen Realitäten stellen und sich damit auseinanderzusetzen. Fluchtursachen seien Probleme, die die Generation der heutigen Schüler betreffen werden.

Nähere Informationen zur „Kinderhilfe Afghanistan“:
http://www.kinderhilfe-afghanistan.de

Zurück