China-Abend 2017

Eine Rutschpartie auf der Chinesischen Mauer gefällig? – Der China-Abend der ASS

Die Albert-Schäffle-Schule lud zum Abschlussabend ihres China-Projekts auf den Nürtinger Säer. Ca. 100 Besucher folgten der Einladung und erlebten einen vielfältigen Abend, der das Reich der Mitte mit objektiven Zahlen, amüsanten Erzählungen, emotionalen Videos und persönlichen Fotos lebendig machte.

„Einige schlaflose Nächte hatte ich vor dem Abflug ehrlich gesagt schon. Aber zurück kam ich als absoluter China-Fan. Vor allem von Shanghai war ich hellauf begeistert.“ So beschrieb Schulleiter Thomas Gundelsweiler in seiner Eröffnungsrede, wie sehr ihn persönlich der China-Austausch der Albert-Schäffle-Schule geprägt hatte. Dass er damit mitnichten allein war, zeigte der Abschlussabend des China-Projekts der ASS am 11. Juli 2017.

Zu Beginn des Abends wartete der ökonomische Teil der Veranstaltung auf die ca. 100 Gäste – schließlich waren sie bei einer kaufmännischen Schule zu Gast. Verantwortlich hierfür war Christi Kieltsch, Außenwirtschaftsreferent der IHK Stuttgart, der anschaulich über „Aktuelle China-Trends und ihre Auswirkungen auf das Geschäftsklima deutscher Unternehmen" referierte. Nachdem seine warnende Einleitung: „Ich werde eher mit Zahlen und Statistiken um mich werfen“ keinen Zuhörer abschrecken konnte, erklärte der Referent, dass China weg wolle „vom Ruf der Werkbank der Welt“ und „hin zu einer innovativen Wirtschaftsnation, die selbst möglichst viele Patente anmeldet“. Dabei setze „China ganz besonders auf deutsche Unternehmen als Kooperationspartner“. Diese Bedeutung beruhe aber auf Gegenseitigkeit, denn China habe „mittlerweile die USA als wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands verdrängt“. Ganz besonders für baden-württembergische Unternehmen sei China mittlerweile unverzichtbar, da sie „mit Abstand die meisten deutschen Unternehmensniederlassungen in China“ stellten.

Nach diesem informativen Vortrag konnten sich die Zuschauer zurücklehnen und einen von den Schülern selbst produzierten Film genießen. Er veranschaulichte die gesammelten Eindrücke aus dem Reich der Mitte, unterlegt mit traditionellen chinesischen Klängen. Lautes Lachen weckte er im Publikum, als er die Hühnerfüße zeigte, die den Teilnehmern von ihren Gastgebern zum Essen vorgesetzt worden waren, oder als die Teilnehmer in traditionellen chinesischen Gewändern posierten, sich in asiatischer Kampfkunst versuchten oder auf dem verlängerten Rücken rasant die Chinesischen Mauer hinunterrutschten.

Vertieft wurden diese Eindrücke durch den anschließenden Vortrag der Teilnehmerin Benita Fischer zur chinesischen Kultur und zum dortigen (Schul)Alltag sowie durch die persönlichen Anekdoten des unterhaltsamen Moderators Darius Dropulic. Anerkennend schilderten sie, wie hart der chinesische Schulalltag sei, „der von acht bis 17 Uhr“ dauere. Zusätzlich müssten die dortigen Schüler „extrem viele Hausaufgaben machen“, an denen „sie teilweise bis nachts saßen.“ Gleichzeitig zeigte sich Benita Fischer beeindruckt von der technischen Ausstattung und der Größe „der nagelneuen Gastschule“. So stünde beispielweise „in bestimmten Klassenzimmer für jeden Schüler ein 3D-Drucker zur Verfügung“. Die Gastschule der ASS in Changzhou sei „so riesig, dass die Fächer in verschiedenen Gebäuden“ stattfänden. „Spannend“ seien hierzulande unbekannte Fächer gewesen, wie „Astronomie oder Kalligraphie“. Als „gewöhnungsbedürftig“ empfanden die Teilnehmer allerdings die Tischmanieren in ihren chinesischen Gastfamilien, da „Essenreste auf den Teller gespuckt und die Nase beim Essen geräuschvoll hochgezogen wurde“. Ein Höhepunkt des Schulaustauschs sei das chinesisch-deutsche Fußballduell gewesen, das „wir natürlich gewonnen und die deutsche Ehre verteidigt haben“, wie Darius Dropulic unterstrich.

Dass es sich bei dem Schulaustausch keineswegs um eine Urlaubsreise handelte, unterstrichen die Vorträge der Teilnehmer Fynn Arnold, Verena Walker und Carolin Keller. Denn sie berichteten vom Besuch des ZDF-Studios in Peking sowie von der Besichtigung der Niederlassung des Nürtinger Unternehmens Heller Maschinenfabrik in Changzhou.

Die Teilnehmerinnen schwärmten von der spannenden Führung durch die Niederlassung des Herstellers modernster Werkzeugtechnik, die zu ihrer Freude von einem „echten Schwaben durchgeführt wurde“. Sogar „ihre Sehnsucht nach schwäbischen Maultaschen nach acht Tagen chinesischem Essen“ sei mit „einem reichhaltigen deutschen Buffet“ gestillt worden. Interessant sei gewesen, dass die Firma Heller sich nicht zuletzt „wegen der Ähnlichkeiten zum heimischen Nürtingen“ in Changzhou niedergelassen habe. Grundsätzlich sei ein Standort in China notwendig, „um näher am dortigen Markt zu sein und „um auf die regionalen Besonderheiten eingehen zu können“. Im Gedächtnis blieb den Schülerinnen außerdem, dass „die Arbeitsplätze bei Heller in Changzhou auch für einheimische Frauen offen“ seien, was in China keineswegs selbstverständlich sei.

Abgeschlossen wurde der Abend mit einem Fotowettbewerb. Dabei präsentierten 22 Teilnehmer in Form einer sehenswerten Wandgalerie ein eigenes, besonders gelungenes Foto aus den beiden Wochen in China. Das Publikum durfte anschließend seinen jeweiligen Favoriten wählen. Am meisten Stimmen erhielten die Fotos von Anna-Lena Volkmann und Simon Class, die beide auf der Bühne mit einem Preis geehrt wurden.

Tosenden Applaus gab es am Ende des Abends aber nicht nur für die beiden talentierten Nachwuchsfotografen, sondern für alle Teilnehmer sowie insbesondere für die Organisatorinnen des Schulaustauschs, Karen Raff und Andrea Rückert. Für sie alle stellvertretend bilanzierte Moderator Darius Dropulic stolz: „Wer außer uns kann schon behaupten, er sei mit der Schule in China gewesen? Wir können es!“

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