Zeitung in der Schule - live und direkt

Einen besonderen Gast durfte die Klasse WS1, Eingangsklasse der WS, am 15.11. in ihrem Unterricht begrüßen. Herr Warausch von der Nürtinger Zeitung kam im Rahmen des Projektes ZiS in die ASS, um von seinem Alltag als Zeitungsredakteur einer Regionalzeitung zu berichten und die vielen Fragen der Schüler zu beantworten. Nachdem der Gast von unserem Schulleiter offiziell begrüßt worden war, ging es gemeinsam mit Herrn Schweiker in den ersten Stock zur Klasse WS1, die schon gespannt auf den Zeitungsmann wartete. Entgegen mancher Schülererwartung war es kein Anzugträger mit Schlips, der da das Klassenzimmer betrat, sondern ein sehr nahbarer Mensch, der die Schüler mit seiner offenen Art von der ersten Minute an für sich gewinnen konnte. Einige fanden ihn richtiggehend „cool“, wie sich später herausstellte. In den folgenden 90 Minuten beeindruckte Herr Warausch die aufmerksamen Jugendlichen mit seiner direkten und humorvollen Art. Dabei waren seine Ausführungen keineswegs theoretisch und von Fremdwörtern gespickt, sondern gut verständlich. Sein pädagogisches Geschick bestand darin, sich auf die Zielgruppe einzustellen und die Schüler auf Augenhöhe anzusprechen. Das kam bei der WS1 gut an und sicherte ihm die volle Aufmerksamkeit.

Die war auch nötig, hatte der Redakteur doch eine Menge Wissenswertes zu berichten. Unter anderem erfuhr man, dass er erst kürzlich sein 20-jähriges Dienstjubiläum bei der Nürtinger Zeitung feiern durfte – eine Besonderheit in der heutigen von Umbrüchen und Kurzlebigkeit geprägten Medienlandschaft. Des Weiteren erzählte er von seinen drei Leidenschaften: dem Fußball, der Musik und dem Reisen. Dadurch nähmen der TSV Oberensingen, seine Band namens „Paper Boys“ und Nordamerika neben seiner Frau und seinem Sohn wichtige Plätze im Leben ein. Im Hinblick auf seinen Beruf seien Neugier und Offenheit die zentralen Eigenschaften, die man mitbringen müsse. Er illustrierte das am Beispiel des Artikels über ein Schneckenprojekt der Nürtinger Hochschule, welches zunächst keinerlei Begeisterung bei ihm geweckt hätte. Bei genauerer Beschäftigung habe er jedoch erkannt, wie spannend die Geschichte der Albschnecke sein kann. Dies gelte für beinahe jedes Thema.

Immer wieder wurde offensichtlich, wie eng Berufs- und Privatleben bei einem Redakteur verknüpft sein können, was Warausch anhand einiger spannender Geschichten und Anekdoten verdeutlichte. Das war ganz besonders der Fall, als der 51-Jährige von seinen Reisen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten erzählte. „Amerika ist meine Leidenschaft“ (neben Musik und Fußball). Dort habe er im Jahr 2009 bei einem Besuch im Yellowstone Nationalpark zufällig von der Stippvisite des neu gewählten Präsidenten Barack Obama gehört und sofort zu recherchieren angefangen - nicht ganz zur Freude seiner Frau, wie er augenzwinkernd zugab. Schließlich habe er alle Informationen gehabt und sie in Absprache mit der NtZ zu einer Reportage in seinem Heimatblatt verarbeitet. An diesem Beispiel könne man erkennen, wie eng auch die große Weltpolitik manchmal mit einem kleinen regionalen Blatt verknüpft sei. Eine ähnliche Situation habe er auch nach der Wahl Donald Trumps erlebt, als er mit Nürtinger Politikern wie Rainer Arnold (damals Verteidigungsexperte im Deutschen Bundestag) oder Professoren von amerikanischen Partnerhochschulen der Nürtinger HfWU über die Auswirkungen der Wahl auf die Region gesprochen habe.

In der Fragerunde kam Warauschs anregendes Kommunikationsgeschick immer wieder zum Tragen, da er nicht einfach Antworten gab, sondern meist im direkten Gegenzug eine Rückfrage stellte und so die Schüler miteinbezog. So hatte ein aufmerksamer Schüler während seiner Ausführungen errechnet, dass Warausch erst mit über 30 Jahren richtig ins Berufsleben eingestiegen sei und fragte daher, was er denn zuvor gemacht habe. Die Antwort „Du klingst wie meine Mutter“ sorgte umgehend für Lacher und lockerte die Atmosphäre auf.

Dass es der Lehrerkollege Reiner Storz war, der Warausch zur Zeitung gebracht hatte, war für viele Anwesende eine große Überraschung. Nach dem Studium habe Storz, mit dem er gemeinsam in einer Band spielte, Warausch vorgeschlagen, ein Praktikum bei der Nürtinger Zeitung zu machen. Wie diese Geschichte weiterging, war nun ja bekannt. Außerdem erfuhren die Schüler über den Alltag eines Redakteurs und waren überrascht, dass der Arbeitstag bei der Zeitung manchmal auch bis 21 Uhr, in Sonderfällen wie bei der Bundestagswahl auch bis nach Mitternacht, gehen kann. Nichts für Freunde klar geregelter Arbeitszeiten also. Dass die Nürtinger Zeitung 110 Mitarbeiter sowie 14 Redakteure hat und seit fast 187 Jahren existiert, war vielen vorher noch nicht bekannt. Ähnlich war es mit der Tatsache, dass der Mantelteil mit Titelseite und überregionalen Ressorts von den Stuttgarter Nachrichten gekauft wird.

Einen besonderen Nerv beim Redakteur trafen die Schüler mit der Frage, ob er denn beim Schreiben für die Zeitung schon einmal gelogen habe. Sichtbar in seiner Ehre als ehrlicher Journalist berührt, verneinte Warausch und verteidigte den Wert der Wahrheit gegen die Angriffe durch Unterstellungen und Behauptungen, welche der Zeitung Unglaubwürdigkeit vorwürfen. Vor allem Begriffe wie „Lügenpresse“ deklarierte er als inakzeptabel und mahnte dazu, in Zeiten von „Fake News“ besonders darauf zu achten, wo die Informationen herkämen.

So vergingen die 90 Minuten fast wie im Flug. Nachdem der Zeitungsmann noch Ideen für die Artikel der Schüler im Rahmen des Zeitungsprojektes vorgeschlagen und das Angebot, ihm bei Fragen oder Anmerkungen eine E-Mail zu schreiben unterbreitet hatte, brach er auf in die Redaktion.

Bei der späteren Auswertung des Redakteursbesuches gab es keine zwei Meinungen: Die Veranstaltung wurde durchweg positiv beurteilt und die Schüler gaben an, eine Menge Neues erfahren zu haben. So waren einige davon beeindruckt, wie viele Aufgaben ein Redakteur bei der Zeitung hat und wie flexibel die Arbeitszeiten sind. Andere gaben an, sie hätten hinzugelernt, dass man im Leben neue Sachen ausprobieren sollte, um wertvolle Erfahrungen zu machen.

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