Schüler üben sich als Unternehmer –
Die Schülergenossenschaft der ASS

„Geld fällt nicht vom Himmel. Man muss es sich hier auf Erden verdienen“. Dies wusste schon die englische Premierministerin Margaret Thatcher. Wie man es verdient und sinnvoll investiert, das lernen Jugendliche wohl an keiner Schule so intensiv, wie an einem kaufmännischen beruflichen Gymnasium.
Die Albert-Schäffle-Schule in Nürtingen ist ein solches und geht seit diesem Schuljahr einen neuen Weg, um die ökonomischen Kenntnisse ihrer Schüler zu verbessern: Sie startete im Januar 2019 eine Bildungspartnerschaft mit der Volksbank Kirchheim-Nürtingen eG. Bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung machte Bankvorstand Martin Winkler deutlich, wie wichtig seiner Bank als engagierter Bildungspartner eine aktive Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region sei.
Kernpunkt dieser Kooperation ist für Schulleiter Thomas Gundelsweiler die Schülergenossenschaft „Schäffles eSG“. Er betont: „Ich halte es für sinnvoll, den Genossenschaftsgedanken in Schulen zu tragen.“ Denn die 14 Schüler, die an der Albert-Schäffle-Schule dieses Unternehmen gründen, würden unternehmerisches Denken nicht nur theoretisch lernen, sondern den Weg in die Selbständigkeit selbst gehen. „Die Unterstützung durch die Volksbank ist dabei hervorragend und die teilnehmenden Schüler und Lehrkräfte profitieren sehr von der externen Expertise und Erfahrung“, so der Schulleiter. Und welcher Partner böte sich hier eher an als eine Bank, die selbst als Genossenschaft organisiert ist? Wie sehr dem Schulleiter dieses Projekt am Herzen liegt, wird daran deutlich, dass er selbst gemeinsam mit seiner Kollegin Sanela Berberovic jeden Montag den Jugendlichen die theoretischen Grundlagen einer Genossenschaft beibringt. Wichtig ist den beiden BWL- und VWL-Lehrern dabei aber, „dass die Schüler die konkreten unternehmerischen Entscheidungen selbst treffen. Beispielsweise mischen wir uns bewusst nicht ein, welche Produkte unsere Genossenschaft vertreiben wird.“

Diese Zurückhaltung zugunsten einer sprichwörtlichen jugendlichen Selbständigkeit kommt offensichtlich an. Schließlich machen alle jungen Teilnehmer freiwillig mit und investieren mindestens zwei Stunden wöchentlich außerhalb ihrer regulären Unterrichtszeit. Eine der Teilnehmerinnen ist Nina Göpferich, die besonders reizt, „dass wir die Unterrichtsinhalte aus dem Fach Wirtschaft praktisch anwenden können.“ Ihr Klassenkamerad Simon Henzler findet gut, „dass wir lernen mit Geld umzugehen, sowohl mit eigenem als auch mit fremdem Kapital.“ Schließlich stehen die 14 Schüler vor der Herausforderung, möglichst viele Genossenschaftsmitglieder als Kapitalgeber zu finden, um ihre unternehmerischen Ideen umzusetzen. Leonie Bayer engagiert sich in der Schülergenossenschaft, „weil ich so wertvolle Erfahrungen für mein künftiges Berufsleben sammeln kann. Denn wo sonst hätte ich die Chance, echte unternehmerische Verantwortung zu übernehmen?“ Marc Schwab reizt, „dass ich in unterschiedliche Unternehmensbereiche hineinschnuppern kann. Außerdem macht mir das Arbeiten in der Gemeinschaft viel Spaß.“ Auf dem Stundenplan steht montagmittags außerdem, wie man eine eigene Genossenschaftssatzung entwirft, ein Unternehmen nach außen vertritt und Produkte entwickelt. Laura Kranjcec verrät: „Eine Produktidee, an der wir derzeit arbeiten, ist attraktive Schulkleidung mit einem ASS-Logo, die wir an unsere Mitschüler verkaufen möchten.“

Ein weiteres Ziel der Bildungskooperation ist es, die Schüler bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen, da die Wahl des passenden Ausbildungsberufs und -betriebs vielen Jugendlichen schwerfällt. Deshalb bietet die Volksbank den ASS-Schülern Praktika an, um ihnen so Einblicke in den Arbeitsalltag einer Bank zu ermöglichen. Die verschiedenen Berufe in der Finanzbranche stellt die Volksbank außerdem am „Berufsinformationstag“ an der ASS vor. Ehemalige Schulabsolventen, die heute in der Finanzbranche arbeiten, sind traditionell auch bei der Veranstaltung „Berufskarrieren hautnah“ zu Gast auf dem Säer. Bei dieser Gelegenheit geben sie den aktuellen Schülern einen authentischen Einblick in ihren Arbeitsalltag und beantworten im kleinen Kreis alle beruflichen Fragen. So profitieren beide Seiten durch die Bildungskooperation: Den Jugendlichen wird der Übergang ins Berufsleben erleichtert und der Volksbank wird ermöglicht passenden Nachwuchs zu gewinnen.
Nicht zuletzt profitieren die Schüler von praxisnahen Fachvorträgen der Volksbank, die den Unterricht ergänzen und das Finanzwissen der Jugendlichen verbessern. So fand Ende Januar die erste Unterrichtseinheit zum Thema „Konsum geplant – Budget im Griff“ statt. Dabei lernten die Schüler, wie sie eine etwaige Überschuldung durch Kostenfallen wie Handyverträge oder Ratenzahlung vermeiden, sondern stattdessen Sparmöglichkeiten nutzen.
Margaret Thatcher würde sich deshalb wohl freuen, dass dank der Bildungskooperation zumindest von den ASS-Schülern niemand mehr die Hoffnung hegt, dass das Geld vom Himmel falle.