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Zukunft braucht Erinnerung - Manuel Werner zu Besuch an der ASS

Manuel Werner von der Gedenkinitiative Nürtingen spricht mit Schülern des Wirtschaftsgymnasiums zu Anton Köhler und die Situation von Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus und in der Gegenwart

Die Wächterfigur Anton Köhler steht jetzt schon seit einigen Monaten im Foyer der Albert-Schäffle-Schule. Genug Zeit, sich daran zu gewöhnen und den übergroßen Gast gar nicht mehr so richtig zu bemerken. Das Kunstprojekt „Odyssey“ vom britischen Künstler Robert Koenig, der am 14. November diesen Jahres verstorben ist, soll aber erinnern. Erinnern an all die Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt und getötet wurden. Die Figur Anton steht für die Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma. 

Er und seine Geschwister wurden von der Mutter getrennt und in das Kinderheim St. Josefpflege in Mulfingen gebracht, wo sie und andere „Zigeunerkinder“ der Rassenforscherin Eva Justin als Grundlage ihrer menschenverachtenden Doktorarbeit „Lebensschicksale artfremd erzogener Zigeunerkinder und ihrer Nachkommen“ dienten. Als die Doktorarbeit eingereicht war, konnte Justin sich sicher sein, die Kinder nicht mehr als Forschungsmaterial zu brauchen. Am 9. Mai 1944 deportierte die Polizei alle 39 Kinder in das „Zigeunerlager“ nach Auschwitz-Birkenau wo die Meisten kurze Zeit später ermordet wurden.

Dies alles erzählte Manuel Werner den Schülern und Schülerinnen der Ethik- und Religionsklassen der Albert-Schäffle-Schule. Manuel Werner ist Mitglied der Gedenkinitiative Nürtingen und erhielt 2021 den Kultur- und Ehrenpreis der Sinti und Roma für seinen Einsatz gegen das Vergessen. Zusätzlich arbeitet er auch ehrenamtlich bei der Nürtinger Außenstelle der Beratungsstelle für gleichberechtigte Teilhabe des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, welche in der alten Seegrasspinnerei untergebracht ist und die immer noch stark diskriminierte Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma unterstützt.

Herr Werner brachte zu seinem Vortrag an der Albert-Schäffle-Schule Fotos, Zitate und Videos aus der Zeit des Nationalsozialismus mit, die den Schülerinnen und Schülern der ASS die Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma bedrückend nah brachten. Besonders erschreckend allerdings war eine Sammlung von Hasszitaten und Bildern aus der Jetztzeit, die im Internet kursierten und unter anderem zum Romacaust aufriefen. Gerade weil solche Kommentare immer noch aktuell sind, ist es den Schülern und Schülerinnen wichtig, sich mit der Geschichte zu befassen und damit dem Motto gerecht zu werden, unter dem die Figur des Sinto-Jungen Anton Köhler im Foyer der Albert-Schäffle-Schule aufgebaut ist: Zukunft braucht Erinnerung!

Text: Julia Berlitz, Kulturamt Nürtingen

Fotos: Arnulf Klein

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