Die Studienfahrt der WGJ1C nach Barcelona

Am 15. Juli 2019 war es endlich soweit. Der Tag unserer Studienfahrt nach Barcelona war gekommen. Mit dieser Aussicht hatte sich unsere Klasse das ganze Jahr über den Stress der Schulalltags hinweggetröstet. Unsere Reise entpuppte sich dann aber als mehr als nur ein Trostpreis. Sehr früh am Morgen trafen wir uns am Flughafen Stuttgart, wo wir ohne terroristische Verdächtigungen durch die Sicherheitsschleusen kamen. Auch vereinzelte Flugängste in unseren Reihen konnten uns nicht von unserem Vorhaben abbringen, Barcelona unsicher zu machen.

Die Hauptstadt Kataloniens gefiel uns vom ersten Augenblick an sehr. Denn schon am Flughafen begrüßten uns grüne Palmen, ein himmelblaues Panorama und warmes Wetter am frühen Vormittag. Per Bus fuhren wir in die Innenstadt, unsere Augen gespannt an den Busfenstern klebend. Vom Busbahnhof kamen wir nach einer 40-minütigen Laufeinlage schließlich an unserem lang ersehnten „Hostal Barcelona“ an.

Dort ging es auch schon los mit unserem ersten Ausflug. Einer der bekanntesten Kunsttempel Europas war unser erstes Ziel: Das Picasso-Museum. Unser jeweiliges Interesse, gut ablesbar an unseren Gesichter, war ganz unterschiedlich ausgeprägt: Während einige Schüler bereits nach wenigen Minuten am Ende der Vorstellung angelangt waren, intepretierten andere vor jedem Gemälde zehn Minuten lang den Duktus des Künstlers.

Um einige Fotos reicher, welche uns in den sozialen Netzwerken intellektuell wirken ließen, ruhten wir uns danach von den hohen spanischen Temperaturen in unserem kleinen, aber feinen Hostalzimmer aus, das Gott sei Dank klimatisiert war. Abends beglückten wir unsere Mägen mit traditionellem spanischen Essen, also Tapas. Um die zugenommenen Kalorien wieder zu verbrennen, machten wir uns anschließend zu Fuß auf den Weg Richtung Strand. Unterwegs legten wir mehrere Zwischenstopps in verschiedenen Läden ein, die auch zu später Stunde noch offen waren. Am Strand setzten wir uns zu einer schönen Runde und genossen das Rauschen des Meeres bei einigen delikaten Drinks.

Morgens um 8:00 Uhr in der Früh wachten wir mehr oder weniger freiwillig auf, um zu unserer gemeinsamen Frühstücksroutine anzutreten. Dort besprachen wir den Tagesablauf. Für einen Teil von uns stand zunächst eine Hafenrundfahrt an. Beim nächsten Stopp war die ganze Klasse anwesend. Wie könnte man auch auf diesen Anblick verzichten? Denn auf uns wartete eine gewaltige katholische Basilika im gothischen Stil, die bis heute unvollendet ist, was sich voraussichtlich im Jahr 2026 ändern soll: Die Sagrada Familia. Das prachtvolle Gebäude trug jede Menge Geschichte in sich, der wir anhand von Audioguides lauschten. Innen war es sogar noch faszinierender als von außen, da riesige Buntglasfenster verschiedenfarbige Lichter reflektierten. Nach der Besichtigung brach draußen allerdings ein Regen los, der beinahe so gewaltig war wie die Kirche selbst. Trotzdem machten wir uns alle auf die Suche nach leckeren Restaurants. Während dieser Suche merkten wir, dass wir in Barcelona keinswegs die einzigen Deutschen waren. Denn als eine Klassenkameradin mit ihrer lauten Stimme fragte: „Wo sind wir eigentlich gerade?“, antwortet eine ältere deutsche Dame: „Wir sind in Barcelona!“ Am italienischen Restauranttisch, wo wir schließlich landeten, waren dann tiefgreifende Diskussionen über Gaudis Meisterwerk unser Gesprächsthema Nummer eins. Nach einem weiteren nächtlichen Strandaufenthalt ging es für die meisten ausnahmsweise ab ins Bett, da wir doch wirklich erschöpft waren von dem langen Tag.

Mittwoch, neuer Tag – neues Glück, vor allem für die Fußballliebhaber unter uns. Denn an diesem Morgen ging es in das Camp Nou, das Stadion des Vereins, der von sich behauptet „más que un club“, also mehr als nur ein Club zu sein. Hier wurde ein Traum wahr für alle Fans vom FC Barcelona und Messisympathisanten unter uns. Denn schon das Museum über die Vereinsgeschichte, die anhand von unzähligen Pokalen und Bewegtbildern veranschaulicht wurde, ließ uns staunen. Aber dies war nichts gegen das Stadion! Es war atemberaubend groß. Größer war wohl nur noch unsere Faszination, denn man hatte das Gefühl, an einem Ort zu sitzen, wo Legenden geschrieben wurden. Auch hier kam natürlich Einiges an photographischem Beweismaterial zusammen.

Ein Besuch in Barcelonas Meeresaquarium durfte nicht fehlen. Auch dort erwartete uns eine beeindruckende Monumentalität, diesmal allerdings unter Wasser. Jegliche Fischarten konnten wir hier aus nächster Nähe betrachten. Denn es gab einen begehbaren Tunnel unter dem Haifischbecken, so dass rechts, links und direkt über uns riesige Rochen und Haie schwammen. Dieses Erlebnis war so sensationell, dass der Speicherplatz auf unseren Smartphones Mangelware wurde.

Das Abendessen organisierten, wie am ersten Tag, unsere Lehrer. Wieder gab es Tapas. Ob sie unseren Geschmack trafen, bleibt unser Geheimnis. Die restliche Nacht verbrachten wir wieder am Strand, wo viel los war. Unser internationaler Wortschatz wurde dort durch die kreativen Anmachsprüche in verschiedenen Sprachen verbessert. Gott sei Dank gab es mehrere Sprachbegabte in der Klasse, sodass uns die Kommunikationsvarianten nie ausgingen. Vom Franzosen bis hin zu Chinesen - Barcelona ist offensichtlich ein Treffpunkt der Leidenschaftlichen.

Der vorletzte Tag drohte uns. Traurig darüber, die Stadt bald verlassen zu müssen, machten wir uns morgens auf den Weg zum Parc Guell. Dort angekommen, wurde unsere Stimmung aber schnell wieder enthusiastisch Denn von Gaudis Park voller innovativer Architektur aus verschiedenen Epochen genossen wir einen perfekten Überblick über die gesamte Stadt.

Abends fanden wir uns nach unserem traditionellen Strandritual natürlich zu später Stunde im bekanntesten Club Barcelonas wieder. In dieser Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Früh morgens zurück im Hostal, saßen wir ein letztes Mal auf unserer privaten Dachterasse mit unseren Mitschülern zusammen. Unser Spaß war allerdings so groß, dass sich ein anderer Gast über die Lärmbelästigung beschwerte. Ein Klassenkamerad klärte diese Lage zum Glück gekonnt.

Nach einer sehr sehr kurzen Schlafeinlage packten wir unsere Koffer und verwandelten die Unordnung unserer Zimmern wieder in Ordnung. All der Spaß hatte nun leider ein Ende. Ein Synästhetiker würde diese Atmosphäre wohl mit roten Farben beschreiben: Trauer, Unlust, Zweifel. Zwei Flugstunden später waren wir schließlich wieder an dem Ort, wo alles angefangen hatte - am Stuttgarter Flughafen.

Dort waren wir uns alle einig: Unsere Studienahrt war der perfekte Abschluss des Schuljahres. In Barcelona wurde unsere Klassengemeinschaft ungemein gestärkt, denn wir hatten so viele lustige Momente miteinander geteilt, dass wir uns danach noch besser verstanden als zuvor. Außerdem spürten wir nun neue Energie für unser Abschlussjahr. Diese Studienfahrt war für uns mehr als nur eine Schulveranstaltung. Sie war Freude, Sprachlosigkeit und unzählige paradiesische Momente.

 Kaltrina Hoti, Rabia Cakir

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