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Kameras klicken, Applaus regnet, feiner Zwirn glänzt – Die Abiturfeier

Jeans, Kapuzenpullis, Spaghettiträger und Jogginghosen? Fehlanzeige. Stattdessen dominierten am Nachmittag des 23. Juli 2021 edle Anzüge, Hemden und elegante Kleider unter den Schülern. Besonders Wagemutige hatten auch ihre geliebten Sneakers ausgezogen und sich in ungewohnte Lederschuhe gezwängt. Und sogar die Lehrer, denen ja nachgesagt wird, von elegantem Outfit ähnlich viel zu verstehen wie ein Brasilianer vom Bau eines stabilen Iglus, zeigten sich in ihrem feinsten Zwirn. Dieser noblen Kleidung angemessen war aber auch der Anlass.

Denn es galt den Höhepunkt von 13 Jahren gymnasialer Schullaufbahn feierlich zu begehen: Das Abitur. Allen Schüler der vier Abiturklassen der Albert-Schäffle-Schule, die dieses Ziel erreicht hatten, wurde im „Udeon“ auf großer Bühne ihr Abschlusszeugnis überreicht. Natürlich vor Publikum. Denn in der festlich geschmückten Gemeindehalle Unterensingens hatten auch die Eltern und Angehörigen Platz genommen, bei denen unverkennbar war, dass sie sich mindestens so sehr über diesen krönenden Abschluss freuten wie die Reifegeprüften selbst. Unnötig zu erwähnen, dass alle Anwesenden natürlich nachgewiesen hatten, dass sie von Corona genesen, darauf getestet oder dagegen geimpft waren. Um den Saal nicht zu überfüllen und die gebührenden Abstände wahren zu können, feierten außerdem nur jeweils zwei Klassen zusammen.

Zu Beginn der Veranstaltung waren die Sitzpläne ganz vorne noch verwaist. Aber nicht lange. Denn die jungen, aber umso reiferen Hauptpersonen ließen es sich nicht nehmen, zu angemessen basslastiger Musik und unter großem Applaus paarweise in den Saal einzulaufen und ihre Ehrenplätze an der Bühne einzunehmen. Begrüßt wurden sie von Schulleiter Martin Zurowski, der in seiner Rede auf ein außergewöhnliches, durch Corona-Einschränkungen geprägtes Schuljahr zurückblickte. Dabei betonte er ausdrücklich, dass die Abiturienten „sich nicht einreden lassen sollen, dass es in diesem Schuljahr einen Corona-Rabatt bei den Prüfungen gegeben hat. Euer Abitur ist genauso viel wert wie jedes andere.“

Danach bestiegen die jeweiligen Klassenlehrer das Rednerpult, würdigten die Leistungen ihrer Schüler und beglückwünschte sie herzlich. Birg Kesselring, Klassenlehrer der WGJ2A, verdeutlichte, wie sehr sich seine Zöglinge in den gemeinsamen drei Schuljahren weiterentwickelt hatten und wagte einen Ausblick für die Zeit nach dem Abitur. Er riet seinen Schülern: „Verzagt nicht vor den kommenden Aufgaben, wartet nicht ab und schiebt nicht auf, was ihr für wichtig erachtet. Fangt stattdessen an, auch wenn ihr euch nicht ganz sicher seid, ob das Studium, die Ausbildung oder das Freiwillige Soziale Jahr das richtige für euch ist. Ihr werdet es herausfinden.“

Andrea Walter, Klassenlehrerin der WGJ2B, war es in ihrer Rede wichtig, einmal nicht auf die nüchternen schulischen Leistungen und Noten einzugehen, die die Abiturzeit so prägten, sondern stattdessen „etwas sehr Persönliches zu sagen“. Sie machte ihren Abiturienten Mut, indem sie klarstellte: „Ihr hört vielleicht oft: Mach das fertig, zieh es durch, dann hast du ein sicheres Fundament.“ Aber ihr „müsst gar nichts durchziehen!“ Vielmehr „möchte ich euch mitgeben: Du kannst deine Meinung jederzeit ändern, um neue Wege zu gehen. Vielleicht ist das dann nicht der einfachste Weg und es braucht dafür Mut. Aber im Leben immer glücklich zu sein, ist auch nicht das Ziel. Sondern, frei nach Marshall Rosenberg, sollte das Ziel sein, all unser Lachen zu lachen und all unsere Tränen zu weinen, damit sich uns das Leben darin offenbart.“

David Nagler, Dompteur der WGJ2C, malte sich auf dem Rednerpodium aus, wie aufregend wohl die ausgefallene Studienfahrt nach Barcelona verlaufen wäre. Außerdem berichtete er von den amüsanten Seiten des Fernunterrichts mit Schülern in der bequemen Horizontalen, deren Wecker pünktlich, eine Minute vor Stundenbeginn klingelte, und mit Schülerinnen, die vergaßen ihr Mikrofon auszuschalten, während sie im Unterricht ihr Arbeitszimmer saugten.

Nachdem vor ihr ein Deutsch-Lehrer am Mikrofon gestanden hatte, zu deren Stärken das knappe Wort bekanntermaßen nicht gehört, gab Lisa Leib gleich zu Beginn ihrer Rede Entwarnung. Die Klassenlehrerin der WGJ2D beruhigte die Zuhörer im Saal, indem sie auf ihre Profession verwies: „Meine Eigenschaft als Mathematiklehrerin zwingt mich geradezu zu Kürze und Präzision.“ Passend dazu ging sie auf der Bühne einer ihrer „liebsten Beschäftigungen nach – dem Rechnen“. Sie rechnete nach, „wie viele Stunden Mathematik- und Geschichtsunterricht wir gemeinsam in den letzten drei Jahren bestritten haben. Es waren ca. 195+160+100=455 Unterrichtsstunden Mathematik und ca. 208 Stunden Geschichte mit Gemeinschaftskunde.“ Frau Leib betonte, dass ein Profiteur dieses gemeinsamen Unterrichts am Lehrerpult saß: „Danke für diese drei angenehmen Jahre mit euch, in denen ich viel von euch lernen durfte.“ Nicht zuletzt erinnerte sie sich an die Kennenlerntage mit ihrer WGJ2D, als beim „Kanufahren am Ende wirklich alles und (fast) jeder nass waren“ und die Klassentradition des gemeinsamen „Werwolf“-Spiels ins Leben gerufen wurde.  

Nachdem das Publikum den Redenreigen heil überstanden hatte, begann der Höhepunkt der Veranstaltung. Diejenigen, um die es eigentlich ging, enterten die Bühne. Die Kameras klickten und der Applaus regnete. Denn nun wurde den Abiturienten feierlich ihr Abschlusszeugnis ausgehändigt und eine symbolische Sonnenblume überreicht. Herausragende Schüler wurden dabei auch mit Preisen oder Belobigungen gewürdigt.

Strahlende Gesichter, wohin man schaute. So endete die Abiturfeier bei einem Umtrunk, den die Abiturienten mit großem Engagement organisiert hatten. Eltern, Schüler und Lehrer kamen vor und in der Halle ganz ungezwungen miteinander ins Gespräch. Man ließ gemeinsam die letzten drei Jahre Revue passieren, gestand unaufgeklärt gebliebene Streiche oder Spickzettel und verabschiedete sich schließlich mit großer Herzlichkeit voneinander.

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