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Unterricht in Zeiten von Corona aus Schülersicht

Wenn uns ein Wort in diesen Tagen unpassend erscheint, dann ist es „Lockdown“. Wir befinden uns momentan im ichweißnichtwievielten und beim Erscheinen dieser Ausgabe sicher schon im nächsten. Was uns an diesem Begriff so stört, ist der implizierte Stillstand. Mag der Terminus die adäquate Beschreibung dessen sein, was manch einem politisch Verantwortlichen seit einem Jahr einfällt, so ist er doch für uns an der ASS unzutreffend. Denn wir unterrichten – ohne Unterbrechung, seit Beginn der Pandemie, in Präsenz und aus der Ferne, über Plattformen und Mailserver, in Klassenzimmern und Videokonferenzen. Von Stillstand keine Spur.

Bei allen technischen Problemen, allen Enttäuschungen über abgesagte Abschlussfeiern und Exkursionen haben wir es gemeinsam geschafft, dass das Schulleben an der ASS weitergeht und wir gleichzeitig alles dafür tun, dass die Gesundheit unserer Schulgemeinschaft geschützt ist. Die SchülerInnen an der ASS können sich darauf verlassen, dass ihre LehrerInnen und die Schulleitung für sie da sind, sie unterrichten, unterstützen und auf die Prüfungen vorbereiten, damit sie ihre angestrebten Abschlüsse erreichen können. Das ist uns wichtig.

Was uns Lehrern wichtig ist, kann man aber in vielen Medien lesen und hören. Denn Leisetreten ist naturgemäß keine Stärke der Lehrergewerkschaften. Auch die Meinungen der Eltern dringen regelmäßig an die Öffentlichkeit. Noch präsenter sind wohl nur die Positionen der Politiker aller Couleur zum Thema „Unterricht in Zeiten von Corona“. Aber wie sind eigentlich die Erfahrungen derjenigen, um die es dabei geht: Die Schüler? Antworten hierauf lesen Sie im Folgenden am Beispiel von vier Schülern der ASS, die sich die Mühe gemacht haben, ihre Erfahrungen exklusiv für den „Albert“ aufzuschreiben. Ihre stellvertretenden Berichte sind ganz unterschiedlich geworden: manchmal informativ, manchmal ernst, manchmal nachdenklich, manchmal aufmunternd, aber stets authentisch und ehrlich. Und manchmal sind sie auch einfach nur amüsant und wollen Sie, liebe Leser, zum Schmunzeln anregen. Und welches Ziel könnte wichtiger sein in diesen Zeiten?

Einfach ein normaler Online-Schultag (Jonas Zaiser, BKWI1)

Aufstehen, PC an und dann wartet die immer gleiche Frage: Wird heute alles gutgehen? Besonders in den ersten Wochen des Lockdowns stellte ich mir diese Frage oft. Denn diese Wochen waren geprägt von überlasteten Servern, teilweise überforderten Lehrern, viel zu lauten Mikrofonen und einer Lernweise, die ich nicht gewohnt war. Viele dieser anfänglichen Probleme haben sich mittlerweile verbessert oder sind ganz verschwunden. Die Server laufen einigermaßen stabil und die Lehrer kommen gut mit dem System klar.

Aber manche Nachteile bleiben. Wie z.B. das Wettsuchen der Schüler auf Wikipedia, um die schwere Frage des Lehrers als erster zu beantworten. Das grundsätzliche Problem brachte für mich ein Mitschüler auf den Punkt, als er auf die Frage, weshalb er sich nicht gut fühle, folgendes antwortete: „Einfach ein normaler Online-Schultag.“ Ich konnte sofort nachvollziehen, was er meinte. Denn Online-Unterricht macht einfach keinen Spaß. Oftmals empfinde ich es als extrem schleppend und langweilig, in einer Stunde zu sitzen, in der es fast keine Interaktion gibt. Viele Schüler lassen sich gerne berieseln und nehmen nicht am Unterricht teil. Auch ich hatte schon Tage, an denen ich in Versuchung kam, einfach mal ein YouTube-Video anzumachen und das, was da in dieser Videokonferenz vor sich geht, zu ignorieren.

Doch warum ist das so? Ich denke, wir Schüler sind es nicht mehr gewohnt, selbstständig zu arbeiten. Es gab schon vor dem Onlineunterricht Momente, in denen ich keine Lust auf Schule hatte, jedoch war immer genug Leistungsdruck da, um mich und andere zu motivieren. Diesen sehe ich jetzt als nicht mehr gegeben. Denn der Lehrer sieht nicht mehr, was du tust, ob du dabei bist oder nicht und ob du alles verstehst. Für manch Einen ist das kein allzu großes Problem. Doch was ist mit lernschwachen oder unmotivierten Schülern? Für diese Probleme kann unsere Schule natürlich nichts und für mich versuchen unsere Lehrer alle im Online-Unterricht mitzunehmen. Nur ob das gelingt, ist fraglich. 

Man muss aber auch nicht alles schlecht machen. Ich persönlich profitiere sogar oft davon, dass wir zuhause sind. Meine Anfahrt mit dem Motorrad durch die morgendliche Kälte kann ich mir sparen und muss nicht mehr so früh aufstehen. Das Lernen am Computer hat nicht zuletzt den Vorzug, dass man immer eine Beschäftigung findet, wenn man mal früher fertig ist ... Auch wenn die Pandemie und mit ihr der Onlineunterricht nerven, bin ich froh, gesund zu sein und überhaupt Unterricht mit guten und engagierten Lehren zu haben.

Jedoch oder gerade deshalb hoffe ich, baldmöglichst wieder in die Schule zu dürfen, da ich merke, dass Lernen dort bei weitem effektiver und angenehmer ist. Dort muss ich mich z.B. nicht damit beschäftigen, was meine Nachbarin schon wieder durch unsere Wohnsiedlung brüllt und habe kein Problem, wenn mein Internet-Provider eine Störung hat. Jedoch befürchte ich, dass diese Hoffnung sich wohl nicht so schnell erfüllen wird.

Mein Onlineunterricht (Lina Javorovic, WGEB)

Als vorbildliche Schülerin stehe ich jeden Morgen um 7:44 Uhr, also exakt eine Minute vor Unterrichtsbeginn auf. Das iPad liegt neben mir bereit, sodass ich direkt starten kann. Nach den ersten zwei Unterrichtsstunden bewege ich mich langsam in Richtung Bad, da sich mein Zeitmanagement seit Anfang Januar leise und schnell aus dem Staub gemacht hat. Die große Pause vor der dritten Unterrichtsstunde dient als Powernap. Die zehn Minuten-Pause um 11:05 Uhr fühlt sich dagegen an wie ein Wimpernschlag, so dass ich, gewollt oder nicht gewollt, die fünfte und sechste Unterrichtsstunde als Frühstückspause nutzen muss.

Die Kamera anzumachen ist für mich kein Problem. Doch stets erst zwanzig Minuten nach Unterrichtsbeginn. Denn in diesen Minuten ziehe ich mich an, mache meine Frisur, wechsle den Arbeitsplatz von meinem Zimmer bzw. meinem Bett zum Esstisch, damit ja keiner merkt, dass Struktur schon lange aus meinem Wortschatz gestrichen ist. Auch die Wochentage sind für mich nicht mehr so leicht zu unterscheiden, deshalb ist der digitale Stundenplan „Untis“ mein stetiger Begleiter. Und auch wenn es Tage gibt, an denen der Online-Unterricht mir schon fast als Podcast erscheint, bin ich der Meinung, dass man gut mitmachen kann. Zumindest bei denjenigen Lehrern, die nicht denken, dass wir nur ihr Fach hätten und uns deshalb in einer Online-Unterrichtsstunde mehr beibringen wollen als in einer Woche im Präsenzunterricht. „Moodle“ und „Bigbluebutton“ sind so zuverlässig, dass die Ausreden „Ich bin irgendwie nicht reingekommen“ oder „Mein Internet hat nicht funktioniert“ schon fast Standard sind. Das alles ist auch schön und gut so, doch sobald es zum Klassenarbeitstermin kommt, hört auch bei mir das Grinsen auf. Wie können die Lehrer es wagen, ihren Job zu machen?

Doch Spaß beiseite. Langsam fällt auch mir die Decke auf den Kopf und ich würde liebend gerne die Struktur in meinem Leben wieder willkommen heißen. Pünktlichkeit ist für mich ein dehnbarer Begriff geworden, deshalb gebe ich diesen Text um kurz vor zwei Uhr nachts ab, anstatt gestern zur vereinbarten Abgabezeit. Doch wie sagt man so schön: „Besser spät als nie“. Ein bisschen Spaß muss sein. Deshalb hoffe ich, dass ich auch Ihnen ein Schmunzeln entlocken konnte.

Unterricht in Joggingklamotten und mit Headset (Elina Decker, WGEB)

Das erste Halbjahr ist nun seit wenigen Wochen zu Ende. Doch wirklich in der Schule war ich in dieser Zeit kaum. Stattdessen saß ich in Joggingklamotten und mit einem Headset an meinem Schreibtisch. Als es anfangs hieß, wir hätten zwei Wochen Homeschooling, habe ich mich wirklich darauf gefreut, da ich dachte, dass es eine coole Erfahrung fürs Leben werde und Abwechslung in den sonst so gleichen Schulalltag bringe. Aber aus den angekündigten zwei Wochen wurden drei und mittlerweile sitze ich seit drei Monaten zuhause, ohne wirkliche Aussicht auf Rückkehr ins Schulgebäude. Dadurch verliere ich so langsam die Motivation, den ganzen Tag aufmerksam vor dem Bildschirm zu sitzen. Wenn ich ehrlich bin, überlege ich mir stattdessen manchmal während des Online-Unterrichts, was ich nach der Schule noch mit Freunden unternehmen und was ich zu Mittag esse könnte. Oder ich bin einfach nur am Handy. Klar könnte ich das Handy auch weglegen. Aber es sieht ja niemand, was ich wirklich zuhause mache, denn wir müssen die Kamera nicht anmachen. Ich lerne online weniger, verliere die Internetverbindung oder habe vergessen die aktuellen Blätter auszudrucken. All das kann mir normalerweise im Präsenzunterricht nicht passieren. Hinzu kommt der hohe technische Aufwand: Ohne die IT-Ausstattung bei mir zuhause, wie ein Laptop und Drucker, wäre es für mich schwer möglich gewesen, bei all dem Stoff der verschiedenen Fächer eine Ordnung zu wahren.

Jedoch bringt das Homeschooling auch manche positiven Aspekte mit sich. Bei Einzelarbeit gibt es z.B. keine Störgeräusche der Mitschüler, da alle stummgeschaltet sind. Morgens kann ich länger schlafen und auch nach der Schule habe ich länger Zeit, da ich nicht erst mit dem Zug heimfahren muss. So bin ich nach einem langen Tag trotzdem noch fit genug, um etwas Sport zu machen.

Trotz dieser positiven Punkte des Online-Unterrichts freue ich mich schon sehr darauf, nicht nur für die lästigen Klassenarbeiten, sondern für den normalen Präsenzunterricht an die Schule kommen zu dürfen.

Homeschooling - eine echte Alternative? (Derwes Agirmann, WGEB)

Nachdem die Bundesregierung beschlossen hatte, die Schulen das allererste Mal zu schließen, war ein Großteil der Schüler, mich eingeschlossen, skeptisch. Werden wir weiterhin den Lernstoff so gut aufnehmen können wie im Präsenzunterricht? Welche Vor- und Nachteile bringt der Distanzunterricht mit sich? Diese Fragen habe ich mir zu Beginn des Fernunterrichtes gestellt und heute, nach vielen Monaten Erfahrung mit dieser neuen Unterrichtsform, bin ich im Stande Antworten zu geben.

Wer über ein gutes Zeitmanagement verfügt, der kann als Schüler die aktuelle Situation sicherlich für sich nutzen und hat in meinen Augen keine Probleme damit, sich auf den Unterricht vorzubereiten. Denn neben den technischen Geräten, die die ASS uns Schülern zur Verfügung stellt, leisten die Lehrer der Situation entsprechend tolle Arbeit. Die entsprechenden Unterrichts-Materialien werden von ihnen immer auf „Moodle“ hochgeladen und sie ermöglichen somit den Schülern, sich gut auf den kommenden Unterricht vorzubereiten. Gleichzeitig können wir Schüler unseren Lehrern jederzeit direkte Nachrichten oder E-Mails über die entsprechende App „Schulhaus 4.0“ senden. Nicht nur ich, sondern die Mehrheit meiner Mitschüler bestätigt, dass die App einwandfrei funktioniert und auf unsere E-Mails rasch geantwortet wird.

Zu Beginn des Fernunterrichtes kam es in meiner Klasse aber zu technischen Problemen. Diese machten sich vor allem bemerkbar durch Internetstörungen, überlastete Server oder nicht funktionierende Mikrofone. Mittlerweile haben sich viele dieser Komplikationen zum Glück erledigt. So besitzen nun alle meine Mitschüler ein „funktionierendes“ Mikrofon, ein stabiles WLAN und auch die Problematik mit den Servern hat sich zum Positiven gewendet.

Neben den anfänglichen technischen Schwierigkeiten kommt es aber auch zu sozialen Problemen. Mehrere Mitschüler haben schon geklagt, dass ihnen die nötige Motivation fehle und sie erst mal wieder lernen müssten, wie das Lernen geht. Hinzu kommt, dass viele sich nur schwer konzentrieren können, da die Ablenkung durch andere Medien deutlich höher sei als in der Schule. Daher können sich viele nur schwer auf Klassenarbeiten vorbereiten.

Trotzdem denke ich, dass der Fernunterricht eine Alternative zum Präsenzunterricht darstellt. Schließlich ist jede Form des Unterrichts besser als kein Unterricht. Anderseits muss ich zugeben, dass auch ich den Präsenzunterricht bevorzuge. Denn ich bin der Meinung, dass ein Schüler nur dann zweifelsfrei etwas Neues lernt, wenn sein Umfeld darauf ausgerichtet ist, so wie in der Schule. Denn dort hat man den großen Vorteil, Fragen, Missverständnisse oder Komplikationen einfacher bzw. effektiver beantwortet zu bekommen. Darüber hinaus ist es mir persönlich sehr wichtig, sowohl meine Mitschüler als auch Lehrer in der Realität zu sehen und nicht auf einer kleinen Kachel in der Mitte meines iPads.

Aber ich bin überzeugt davon, dass wir die aktuelle Herausforderung meistern können, wenn wir zusammenhalten, uns gegenseitig unterstützen und positiv bleiben.

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