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Wo die Finanzwelt ihre menschliche Seite zeigt - Das soziale Projekt der Bankklassen

Seit dem Jahr 2002 ist es an der ASS üblich, dass die Auszubildenden der Banken im zweiten Ausbildungsjahr ein soziales Projekt durchführen. Es soll ihre soziale Kompetenz fördern und die Azubis mit einem Gesellschaftsbereich in Berührung bringen, den sie sonst in ihrem Arbeitsumfeld kaum kennenlernen. Die Banken versuchen auf diese Weise, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. In Zusammenarbeit mit der Samariterstiftung besuchen die Azubis die Altenpflegeheime Kroatenhof und Dr. Vöhringer-Heim in Nürtingen bzw. Oberensingen.

In diesem speziellen Schuljahr stand das Projekt coronabedingt vor besonderen Herausforderungen, die allen Beteiligten ein hohes Maß an Engagement abverlangten. Dadurch war es möglich, dass zumindest eine Banklasse, die 2BK1z, das Projekt absolvierte. Es dauerte von September bis Dezember, 13 Auszubildende nahmen jeden Dienstag freiwillig teil und wurden hierfür von der KSK Esslingen-Nürtingen freigestellt.

Dass dieses wertvolle Projekt in so schwierigen Zeiten stattfinden konnte, ist der betreuenden Lehrerin Barbara Dieterich sowie Frau Blum von der Samariterstiftung und Frau Kieninger von der KSK Esslingen-Nürtingen zu verdanken. Auch die Schulleitung der ASS stand voll und ganz hinter dem Projekt. Letztendlich waren der Mut und die Zuversicht Frau Dieterichs ausschlaggebend dafür, dass dieses aufwendige Unterfangen durchgeführt wurde. Die Bereitschaft der Azubis, sich freiwillig so engagiert zu beteiligen, spricht für ihren Charakter und ihre Menschlichkeit.

Wie die folgenden Erfahrungsberichte der Teilnehmer zeigen, waren die Mühen es wert. Während in ihrem Arbeitsleben finanzielle Werte höchste Priorität haben, machten sie hier die Erfahrung, dass auch soziale Kontakte eine Bereicherung mit sich bringen können. Dass der Gedanke an unsere Nächsten an der ASS nicht verloren geht, beweist dieses soziale Projekt der Bankklassen. Erfahren Sie im Folgenden, wie die Azubis aus der Finanzwelt aktiv ihre soziale Verantwortung wahrnahmen und welche Erfahrungen sie dabei machten.

Felix Harer (Dr. Vöhringer Heim, Oberensingen)

Unsere Aufgabe war es, mit den Bewohnern des Altersheims zu spielen und uns mit ihnen zu beschäftigen. Aufgrund des Coronavirus‘ waren die Bewohner sehr häufig alleine und hatten kaum Kontakt zur „Außenwelt“. Mein Einsatz fand im 2. OG statt. Dort konnte ich mit den Bewohnern „Mensch ärgere dich nicht“ und „Memory“ spielen. Da viele von ihnen sehr alt sind, waren Gedächtnislücken an der Tagesordnung. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten und hatten beim gemeinsamen Spielen sehr viel Spaß.

So wie es uns geht, geht es den alten Menschen im Heim auch. Nicht jeder hat immer einen guten Tag. Doch an guten Tagen las ein Bewohner seine Gedichte vor, die er selbst geschrieben hatte. Das zu erleben, war sehr emotional. Er schrieb über seine Familie, sein Leben in der Jugend und über seine verstorbene Frau. Für mich waren diese Nachmittage die schönsten. Wenn das Wetter schön war, durften wir mit den Bewohnern auch im anliegenden Park spazieren gehen oder auf Bänke sitzen, um uns an der frischen Luft zu unterhalten. Das war sehr interessant, denn viele der Bewohner sprachen über ihr früheres Leben und erzählten spannende Geschichten aus der Vergangenheit.

[…] Im Großen und Ganzen fühlte ich mich sehr gut dabei, den älteren Menschen eine Freude zu bereiten. Mir fiel es nur schwer, die traurigen Geschichten zu hören und vom Leid der Leute zu erfahren. Es ist unglaublich, welch eine Trauer Menschen erleben können. […] Für die Offenheit und die Dankbarkeit, die mir entgegengebracht wurden, bin ich sehr dankbar.

Aus dem Projekt nehme ich mit, dass die Sonne nie aufhört zu scheinen, auch wenn man im Altersheim „alleingelassen“ wird. Die Freude zu erleben, die manche der Älteren noch hatten, war für mich sehr schön. Auf der anderen Seite gab es auch viele alte Bewohner, die eigentlich schon mit Ihrem Leben abgeschlossen hatten.

Theodoros Skarlatos (Dr. Vöhringer Heim, Oberensingen)

Anfangs gab es einen Einführungsnachmittag, an dem wir auf unsere Einsätze vorbereitet wurden, indem wir den Ablauf besprachen und uns erzählt wurde, was uns in dem Pflegeheim erwartet. Außerdem durften wir uns bereits mit dem Umgang mit Rollstühlen vertraut machen, indem wir uns gegenseitig in Rollstühlen durch den dortigen Garten fuhren. Es gab zusätzlich auch verschiedene Workshops, um uns sämtliche Einschränkungen, die im Alter vorkommen, zu zeigen. So hatten wir die Möglichkeit, selber zu erleben, wie es ist, blind zu sein oder Koordinationsschwierigkeiten zu haben, was sich schon bei dem Anziehen einer Jacke bemerkbar machte.

Beim nächsten Mal ging es auf die einzelnen Stationen. Die Station, auf die ich kam, war etwas anders. Dort lebten nur Bewohner mit Demenz oder Weglauftendenzen. Dies führte zu der ein oder anderen unüblichen Situation. So war es mit den meisten Bewohnern aufgrund ihrer Erkrankung nicht möglich, Gespräche über aktuelle Themen zu führen. Bei anderen wiederum veränderte sich die Laune von einem zum anderen Moment vom Positiven ins Negative. Das war jedoch eher die Ausnahme. Gerne erzählten die Bewohner von der Vergangenheit oder von ihren Kindern. Diese interessanten Unterhaltungen waren für mich die schönsten Erlebnisse. Durch die Corona-Situation legten wir den Fokus recht schnell auf Spaziergänge bei schönem Wetter oder Brettspiele bei schlechtem Wetter. […]

Nach einigen Wochen verschärften sich jedoch die Corona-Auflagen und so sahen wir uns gezwungen, nach langem Hin und Her den Einsatz frühzeitig zu beenden. Nichtsdestotrotz war das Projekt für mich und wahrscheinlich auch für alle anderen eine sehr schöne und lehrreiche Erfahrung, die sicherlich auch emotionale und schwierige Momente mit sich brachte, aber bei der die schönen Momente überwogen.

Vivienne Stump, Daniel Szczesny (Dr. Vöhringer Heim, Oberensingen)

Während unseres Einsatzes im Dr. Vöhringer Heim schlüpften wir in viele verschiedene Rollen, angefangen bei der des Motivators für Spaziergänge an sonnigen sowie kalten Tagen, über die des emotionalen Diskussionsschlichters von hitzigen Situationen bis hin zu Zuhörern für persönliche Themen. […] Man merkte sofort, dass die meisten sich über unsere Anwesenheit freuten und direkt mehr Motivation zeigten. Auf einmal waren unsere Bewohner wetterresistent und gingen mit uns freiwillig bei jedem Wetter nach draußen. Sie hatten sichtlich Interesse daran, sich mit uns zu unterhalten. Manche Unterhaltungen waren glücklich gestimmt mit alten Erinnerungen aus früheren Zeiten, in denen man noch Ski fuhr oder Berge bestieg. Die anderen waren teils traurige Rückblicke auf schwere Zeiten, wie z.B. Schicksalsschläge. Die Bewohner teilten sich offen mit und freuten sich über die aufmerksamen Zuhörer. Danach spielten wir oftmals mit den Bewohnern Schach, Memory oder Tischkicker. […]. Während unseres gesamten Einsatzes merkten wir immer wieder, wie viel unsere Besuche den Bewohnern bedeuteten. Sie teilten mit uns so viel, dass der Abschied uns jedes Mal wieder schwerfiel.

Julia Pilnik und Melisa Bakir (Kroatenhof, Nürtingen)

Zu unseren Aufgaben gehörten das Spielen mit den Senioren sowie die Unterhaltung. Wir verbrachten lustige Spiel-Nachmittage und erhielten einen Einblick in das Leben der Bewohner. Obwohl wir uns kaum kannten, waren die Bewohner uns gegenüber sehr herzlich und offen.

Die privaten Lebensgeschichten der Bewohnerinnen berührten uns zum Teil sehr und ließen uns wissen, wie gut wir es in unserem Zeitalter haben. So berichtete eine Bewohnerin, wie sie aus Ungarn von Soldaten nach Deutschland vertrieben wurde. Sie hatte in jungen Jahren keine Möglichkeit auf eine berufliche Laufbahn. Das hat uns nochmal deutlich gemacht, dass uns alle Wege offenstehen und es in unserer Hand liegt, was wir aus unserem Leben machen.

Zitate der Teilnehmer über das soziale Projekt der Bankklassen

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