Von den schulischen Wurzeln zur neuen Heimat -
Die Geschichte der Albert-Schäffle-Schule (ASS)

„Nur wer seine Wurzeln kennt, kann wachsen.“ Dieses Zitat des Benediktinerpaters und Wirtschaftswissenschaftlers Anselm Grün gilt auch für eine Schule. Die Wurzeln der ASS liegen in der sogenannten Nürtinger Fortbildungsschule. Dort wurden ab 1832 die kaufmännischen und gewerblichen Lehrlinge abends und sonntagvormittags unterrichtet. Auf ihrem Stundenplan standen Fächer wie Deutsch, Rechnen, Geometrie und Zeichnen sowie Buchführung mit Rechnungswesen.

Erstes Schulgebäude
Das erste Schulhaus

Nach dem 1. Weltkrieg wurde aus dieser freiwilligen Fortbildungseinrichtung eine Pflichtschule: die Nürtinger Gewerbe- und Handelsschule. Sie residierte im Geburtshaus unseres Namenspatrons Albert Schäffle in der Kirchstraße 13. Hier wurden die örtlichen Lehrlinge, anfangs gerade einmal 38 an der Zahl, an zwei Halbtagen wöchentlich während der Geschäftszeit unterrichtet.
Nachdem zunächst nur männliche Auszubildende die Schulbank „drückten“, kamen ab 1927 die ersten Schülerinnen hinzu, um Stenographie und Maschinenschreiben zu lernen. Ihre Zahl wuchs in den folgenden Jahren rasant, da auch für Mädchen die kaufmännische Berufsschulpflicht eingeführt wurde.

Eine weitere Zäsur brachte das Jahr 1952, als die Höhere Handelsschule eröffnet, die Vorgängerin der heutigen Wirtschaftsschule. Denn mit ihr wurde die bis dato reine Berufsschule auch zur Vollzeitschule. Dieser Schulbereich wurde in der Folge kontinuierlich ausgebaut. So startete 1963 die Berufsaufbauschule, die vor allem von jungen ambitionierten Landwirten besucht wurde, die die Mittlere Reife anstrebten, um an der neuen Ingenieurschule für Landbau studieren zu können. Zwei Jahre später kam das Wirtschaftsgymnasium hinzu. Es erfreute sich rasch so großer Beliebtheit, dass sich seine Schülerzahl innerhalb der ersten vier Jahre verzehnfachte. Parallel dazu wurden im kaufmännischen Berufsschulbereich 1948 die ersten Verkaufsklassen und elf Jahre später die Bankfachklassen eingerichtet.
Nachhaltig geprägt wurde unsere Schulgeschichte auch durch die Gründung der Schülermitverantwortung SMV im Jahr 1965. Denn seither gestalten die Schüler über dieses Gremium unser Schulleben aktiv mit, sei es durch eine jährliche Blutspendeaktion, den Weihnachtsmarkt oder durch ein gemeinsames Schulfrühstück am letzten Unterrichtstag vor den Sommerferien.
Die kontinuierlich wachsende Zahl der Schüler auf über 1000 im Schuljahr 1967/68 brachte aber einen Nachteil mit sich: Das damalige Schulgebäude platze aus allen Nähten. Obwohl die gewerbliche Schule 1955 aus der Kirchstraße ausgezogen war, musste der Unterricht der inzwischen selbständigen kaufmännische Schule an sieben verschiedenen Nürtinger Standorten stattfinden.

Das zweite Schulhaus

Ein neues Schulhaus sollte helfen. Dieses wuchs an der Nürtinger Bachstraße buchstäblich in die Höhe. Denn das neue gemeinsame Dach, unter dem nun alle Klassen und Lehrer vereint waren, thronte in stolzen 29 Metern Höhe über sieben Stockwerken. Eingeweiht wurde das neue Hochhaus, wie es alsbald genannt wurde, im Mai 1968. Dieses Ereignis bildetet sogar in doppelter Hinsicht einen Meilenstein in unserer Schulgeschichte. Denn bei dieser Gelegenheit wurde die Schule auf ihren heutigen Namen getauft: Albert-Schäffle-Schule (ASS).

Aber es dauerte nicht lange, bis auch diese schulische Heimat zu klein wurde. Denn die ASS erfreute sich bei den Schülern wachsender Beliebtheit und ihre Schulformen wurden noch vielfältiger. So wurden Anfang der 1970er Jahre zusätzlich die Fachschulen für Bürokommunikation und Betriebswirtschaft sowie das Telekolleg an der ASS integriert. Die Zahl der Schüler stieg so auf beinahe 1300 im Jahr 1973.

Das aktuelle Schulhaus

Kein Wunder also, dass im selben Jahr erneut ein Umzug anstand. Diesmal ging es aus der Nürtinger Innenstadt hinauf auf den Säer. In diesem neuen Schulgebäude sollte die ASS die nächsten 47 Jahre bleiben. Von Stillstand aber konnte keine Rede sein. Vielmehr wurde nach und nach das Berufskolleg an unserer Schule immer wichtiger. Denn im Jahr 1973 wurde das BK I gegründet, das die Schüler gezielt auf kaufmännische Berufe vorbereitet. Drei Jahre später wurde es um das BK II erweitert, wo sich Jugendliche für ein Studium an der Fachhochschule qualifizieren können. Den gleichen Bildungsabschluss ermöglichen seit dem Jahr 1994 das BKFH sowie das BKWI mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, welches neun Jahre später hinzukam.

An der kaufmännischen Berufsschule (KBS) bildete das Schuljahr 2014/15 einen Meilenstein. Denn seither können bei uns besonders leistungsfähige Auszubildende Finanzassistenten werden, wodurch das KBS-Bildungsangebot, das auch die Ausbildungen zum Einzelhandelskaufmann und Verkäufer sowie zum Bankkaufmann und Industriekaufmann umfasst, vielfältiger wurde.
Als bislang letzte Schulform wurde im Jahr 2015 die sogenannte VABO-Klasse eingeführt für Schüler ohne oder mit sehr geringen Deutsch-Kenntnissen. Damit haben die Jugendlichen an der ASS heute die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, verschiedene kaufmännische Ausbildungen zu absolvieren sowie die Mittlere Reife, die Fachhochschulreife und das Abitur zu erlangen. Unsere Schule lebt also schon lange das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und eröffnet Jugendlichen individuelle Bildungswege zu ihrem jeweiligen beruflichen Ziel.
Zudem entwickelte die ASS seit dem Umzug auf den Säer ein eigenes Profil, das sie von anderen beruflichen Schulen frühzeitig unterschied. Beispielsweise wurde 1997 die Juniorfirma Jufiassco aufgebaut, in der die Schüler praktische Erfahrungen im Geschäftsleben sammeln. Ein Meilenstein ist zweifellos auch unsere eigene Galerie GASS, die den Schülern seit 2004 professionelle Kunst näherbringt und das Schulgebäude verschönert. Nachhaltig geprägt wird die Schulgeschichte auch von der seit 2003 bestehende Theaterkooperation mit beeinträchtigten Schülern der Bodelschwingh-Schule. Gleiches gilt für die Lehrer-Schüler-Band „The Alberts“ und das ebenfalls im Jahr 2010 initiierte schuleigenen Kanadierprojekt. In den letzten Jahren wurde das Profil der ASS weiter geschärft, indem z.B. eine Schülergenossenschaft gegründet und der Austausch mit ausländischen Schulen vorangetrieben wurde dank einer Schulpartnerschaft in China und der Teilnahme am Erasmus+ Programm. Manch einer dieser jüngeren Meilensteine wäre nicht möglich ohne die finanzielle Unterstützung des ASS-Fördervereins, der im Jahr 2007 ins Leben gerufen wurde.

Außergewöhnlich ist in unserem schulischen Alltag nicht zuletzt unser doppelter Anspruch: Zum einen wird an der ASS ein respektvolles schulisches Miteinander gelebt, so dass sich Schüler wie Lehrer wohlfühlen und mit Freude lernen und arbeiten können. Zum anderen gelten klare Regeln, auf deren Einhaltung konsequent geachtet wird.

Das künftige Schulhaus

Im Jahr 2020 wartet auf die ASS eine weitere wegweisende Veränderung: der Umzug in das neue, mittlerweile vierte Schulhaus unserer Schulgeschichte. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass sich unsere Schulgemeinschaft aus mittlerweile knapp 1000 Schülern und 66 Lehrern auch in Zukunft auf zeitgemäße Arbeitsbedingungen freuen darf. Unser neuer alter Standort hoch oberhalb Nürtingens steht symbolisch dafür, dass die Bildung und Erziehung von Schülern und Auszubildenden an unserer Schule auch künftig wächst und gedeiht.