Neubau für die Albert-Schäffle-Schule

Der Neubau für die Albert-Schäffle-Schule ist in trockenen Tüchern. Nach dem einstimmigen Beschluss des Kreisrats zum Neubau der Schule ist jetzt sicher, dass die ASS im April 2020 in ihr neues Domizil ein paar hundert Meter westlich des bestehenden Sportplatzes auf dem Säer zieht. Der Neubau, der mit 25,7 Millionen Euro veranschlagt ist, wird hinsichtlich Räumlichkeiten und Ausstattung keine Wünsche offenlassen. Vor allem im IT-Bereich wird das Gebäude auf dem neuesten Stand sein und den Anforderungen der voranschreitenden Digitalisierung mehr als genügen. Zu klassischen und altbewährten Raumstrukturen für den Unterricht kommen Elemente wie eine Schülerküche, drei Schülerarbeitsräume sowie ein Aktivitätenzimmer hinzu. Sie tragen dem Umstand Rechnung, dass viele Schüler faktisch mehrmals pro Woche den ganzen Tag an der Schule verbringen. Aber auch die Lehrkräfte dürfen sich über Verbesserungen freuen. So wird eine Reihe zusätzlicher kleiner Lehrerzimmer die Arbeit an der Schule deutlich erleichtern.

Die Schulleitung der ASS war in die Planungen immer eng einbezogen und dankt auf diesem Wege den Verantwortlichen des Landkreises und des Planungsbüros Quantum für die vertrauensvolle und reibungslose Zusammenarbeit.

Voll im Zeitplan – Rundgang auf der Baustelle zum neuen Schulhaus der ASS

Baustelle

Schon von weitem sind sie sichtbar – die zwei riesigen gelben Kräne auf dem Säer. Sie künden davon, dass oberhalb Nürtingens derzeit nicht nur gelehrt, gelernt und geheilt wird, sondern seit April 2018 auch gebaggert, gebohrt, geschaufelt und gemauert. Denn nur wenige 100 Meter von unserem bisherigen Schulgebäude wächst die neue Heimat der ASS gen Himmel.

Vier Monate nach dem offiziellen Baggerbiss fand nun am 02.08.2018 der erste Baustellenrundgang statt. Unter fachmännischer Führung des verantwortlichen Bauunternehmens „Wolff und Müller“ inspizierten Vertreter der ASS, des Landkreises, der Architekten und des Planungsbüros „Quantum“ die Baustelle und machten sich ein Bild vom bisherigen Stand des Schulneubaus. Dabei wurde deutlich, welch rasche Fortschritte das Gebäude macht. Denn die Bodenplatte ist mittlerweile komplett fertig, alle Wände des Untergeschosses stehen bereits und die Verfüllarbeiten haben begonnen. Zahlreiche Unterrichts- und Funktionsräume sind bereits gut zu erkennen, der künftige Treppenaufgang wächst, der Lichthof ist sichtbar und der künftige Durchgang zur Nachbarschule FRS ist abgesteckt. Dieses beeindruckende Arbeitstempo ist nicht zuletzt deshalb möglich, „da Trockenbau- bzw. Halbfertigwände genutzt werden, die bereits teilweise fertig auf die Baustelle gebracht werden“, wie der verantwortliche Bauingenieur von Wolff und Müller erläutert. „Diese Wände bieten außerdem den Vorteil eines sehr guten Schallschutzes“ betonte Frau Götz vom Landratsamt, so dass im Neubau ungestörtes und konzentriertes Unterrichten zweifellos gewährleistet sein wird. Das verwendete Sichtbeton-Material, das unbehandelt bleibt, ermöglichte während des Rundgangs eine realistische Vorstellung davon, wie die Räume künftig innen aussehen werden. Wie vorausschauend und präzise auf der Baustelle gearbeitet wird, wurde nicht zuletzt daran deutlich, dass viele Wände bereits die Öffnungen für die künftigen Kabelkanäle aufweisen und genau darauf geachtet wird, dass die Fugen zwischen den Wandteilen stets genau gegenüber liegen. Am Ende der informativen Baustellenführung gab es die wohl wichtigste Nachricht: Wir sind voll im Zeitplan und ein Umzug Ende des Jahres 2019 erscheint realistisch.

Interview mit unserem stellvertretenden Schulleiter Herrn Zurowski

Baustellenfoto Bagger

Am 3. Mai fand der „Baggerbiss“ für den Neubau der ASS statt. War die Veranstaltung Ihrem Eindruck nach gelungen?

Ja, ich glaube insgesamt schon. Wir haben mit etwas mehr außerschulischen Besuchern gerechnet, da uns im Vorfeld höhere Zahlen genannt wurden, aber so in dem Rahmen war es schon okay.

 Okay!?!

Okay ist bei mir das höchste der Gefühle.

 In letzter Zeit sieht man auf ihrem Tisch immer wieder großformatige Bauzeichnungen, manchmal heißt es sogar: „Herr Zurowski ist gerade auf der Baustelle.“ Wie viel Ihrer Arbeitszeit nimmt der Neubau mittlerweile tatsächlich in Anspruch?

Auf der Baustelle bin ich selten, das hat wenig mit mir zu tun. Es ist schwer zu sagen, weil es ein periodisches Geschäft ist. Also es ist teilweise in den letzten zwei bis drei Jahren schon belastend gewesen, aber es kam immer in Schüben. Zeitweilig hatte man fast nur den Neubau um die Ohren und das ist natürlich schon problematisch. Aber z. B. jetzt gerade merke ich fast nichts davon. Insofern ist es schwer, das in Zahlen zu fassen. Ich empfinde es aber zeitweise als fast schon dramatisch, da es dann auch auf Kosten des Unterrichts geht. Ich habe auch nur einen bestimmten Zeitrahmen pro Woche und …

[das Telefon klingelt, Herr Zurowski entschuldigt sich und erklärt, dass heute wegen des Sportabiturs viel los sei].

 Es ist ja so, dass noch vor einigen Jahren die Schließung bzw. Zusammenlegung der ASS mit anderen Schulen diskutiert wurde. Nun bekommen wir einen Neubau. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Das ist eine politische Entscheidung, mit der wir nicht viel zu tun haben. Unser Job ist es ja nicht, Schülerströme zu prognostizieren. Dazu hat der Landkreis ein Planungsbüro beauftragt, das eine entsprechende Prognose abgegeben hat und dementsprechend ist auf politischer Ebene im Kreistag diese Entscheidung getroffen worden. Wir freuen uns natürlich darüber, aber letztendlich ist es eine Entscheidung, die wir als Schule nicht groß beeinflussen konnten. Wir sind ja kein politisches Gremium, sondern wie gesagt eine Schule.

War dann die Überlegung, die Kirchheimer und Nürtinger Schulen zusammenzulegen, falsch?

Nein, das war aufgrund von verschiedenen Faktoren einfach eine Option. Im Prinzip ist es logisch zu fragen, was vorteilhafter ist. Legen wir Schulen zusammen oder lassen wir die Schulen so, wie sie sind. Da gibt es für beide Seiten gute Argumente. Nur die Entscheidung, die gefallen ist, haben nicht wir getroffen. Wir haben sie gerne akzeptiert, aber hätten es auch hinnehmen müssen, wenn man gesagt hätte, man legt uns mit der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule zusammen.

Das alte Gebäude scheint noch ganz gut dazustehen und wurde in den letzten Jahren saniert und renoviert – Brandschutzmaßnahmen wurden durchgeführt. Warum war der Neubau trotzdem notwendig?

Da muss man weiter zurückgehen ins Jahr 2008/2009. Damals sollten wir aus dem Konjunkturpaket 2 Gelder für eine umwelttechnische Sanierung bekommen – Fassadenerneuerung, Dämmung etc. Diese Gelder sind uns kurzfristig wieder entzogen worden mit der Begründung, dass die Statik dieses Baus dies nicht aushält. Spätestens da war klar, dass wir hier ein größeres Problem haben. Es gab da mal eine weitere Begehung. Ich kann mich an den Satz eines Sachverständigen erinnern, der sagte, dass das Gebäude die Maschinen, welche es bräuchte, um es zu sanieren, nicht aushalten würde. Das war sehr aussagekräftig.

Das hier ist ein klassisches 70er Jahre Gebäude; damals wurden viele Schulgebäude sehr schnell aus dem Boden gestampft. Wenn sie einen Bau aus den 50er Jahren oder sogar aus dem Kaiserreich sehen, haben sie das Gefühl, dass die ewig stehen, aber Bauten aus den 70er Jahren werden scheinbar schnell marode. Wir haben das Gebäude immer gemocht, aber vom Standpunkt der Infrastruktur her macht es keinen Sinn mehr. Über die Brandschutzmaßnahmen kann man als Normalbürger aber nur noch den Kopf schütteln ….

Geben Sie uns einen kleinen Ausblick. Worauf dürfen sich die Schüler freuen?

Die Schüler vor allem über die Schülerküche, die komfortabel sein wird und einen entsprechenden Aufenthaltsraum mit sich bringt.

Dann konnten wir unsere gute Ausstattung mit ausreichenden DV-Räumen mit ins neue Gebäude hinübernehmen und zudem haben wir drei Räume, die mit dem vergleichbar sind, was wir heute in Raum 210 haben. Dort kann man selbständig arbeiten, natürlich auch am PC. Und es gibt zwei ausgewiesene Aufenthaltsräume für Ganztagesklassen. Darüber hinaus wird es zwei flexibel nutzbare Multimediaräume geben.

In den Unterrichtsräumen ist vor allem die bessere W-LAN-Ausstattung sowie die generell bessere Verkabelung zu nennen. Hier wird die Ausstattung „state-of-the-art“ sein.

Ob sich Schüler über einen gesonderten Prüfungssektor freuen, weiß ich nicht. Es wird so sein, dass wir im neuen Gebäude in einem bestimmten Bereich viel einfacher und flexibler Prüfungen abhalten können.

Welche Verbesserungen bringt der Neubau für die Lehrer mit sich?

In erste Linie sind da die kleinen Lehrerzimmer zu nennen, die wir zusätzlich bekommen. Denn in diesem Bereich sind wir momentan doch etwas mager ausgestattet.

Ansonsten bleibt im Lehrerbereich alles beim Alten, sprich das System mit einem großen und einem kleinen Lehrerzimmer konnten wir mit hinübernehmen.

Im Bereich Essen, Küche und Aufenthaltsraum wird es eine neue Lösung geben, d. h. es wird einen extra Raum zum Essen geben. Und wir bekommen eine Lehrerdusche für die Radler. Der Weg zur Toilette wird allerdings weiter sein (Anm: grinst).

Wir sind gerade noch am Überlegen, ob man bei den Lehrerarbeitsplätzen in den Unterrichtsräumen noch eine Verbesserung erwirken kann, wobei der Standard meiner Meinung nach schon relativ hoch ist.

Welche weiteren technischen Voraussetzungen bietet das neue Gebäude?

Für technische Fragen bin ich der falsche Ansprechpartner. Wenn es um energetische, gesundheitstechnische oder umweltrelevante Aspekte geht, wird uns immer wieder versichert, dass alles gut ist. Es gibt eben Bereiche, da müssen sie als Nichtfachmann nehmen, was Ihnen geboten wird. Man kann im Vorfeld auf bestimmte Aspekte hinweisen. Es gibt rechtliche Bestimmungen und man muss davon ausgehen, dass diese Bestimmungen eingehalten werden.

Wir sind bezüglich der Verdunklung der Räume etwas skeptisch, da dies auch hier ein latentes Problem ist. Diesbezüglich haben wir uns auch andere Schulgebäude angesehen, die neu gebaut oder saniert wurden. Wir bekommen ein ähnliches System wie jetzt, sprich eines, das bei starkem Wind automatisch die Jalousien hochfährt. Uns ist jedoch versichert worden, dass es in diesem Fall später reagiert als dies bisher der Fall ist. Wir hoffen, dass es funktioniert.

Wir haben im Vorfeld darauf hingewiesen, was uns wichtig ist, und jetzt hilft nur noch beten - würde ich sagen.

Ein wichtiges Kriterium für eine gute Lernatmosphäre ist eine angemessene Größe der Klassenzimmer. Bringt der Neubau hier eine Verbesserung oder Verschlechterung mit sich?

Wir halten den Standard, den wir haben. Dazu muss man sagen, dass unser Standard über dem liegt, was normalerweise üblich ist. Wir haben 72 qm, laut Gesetz sind 66 qm vorgeschrieben. Angesichts von 30 Schülern ist das sehr fragwürdig. Man mag unsere jetzigen Klassenzimmer schon als klein empfinden, aber wir liegen über dem gesetzlichen Standard.

Dies zu halten, stand in unserer Prioritätenliste sehr weit oben.

Und das ging auch, ohne dass wir im neuen Gebäude auf Räume verzichten müssen?

Das ist eine komplizierte Sache. Hier geht es um die Förderung vom Land Baden-Württemberg. Dabei wird zwischen verschiedenen Bereichen unterschieden. Innerhalb dieser Bereiche kann man auch etwas verschieben, aber das müssen RP und Bauträger mitmachen, worüber wir sehr froh sind. Hier hatten wir das Gefühl, dass flexibel auf unsere Wünsche eingegangen wurde.

Inwieweit profitieren auch die Sekretärinnen und der Hausmeister vom Neubau?

Der Hausmeister hat bezüglich des Platzes, der ihm zur Verfügung steht, sicherlich verloren. Die bisherigen Dimensionen gingen über das hinaus, was üblich ist. In technischer Hinsicht wird er aller Voraussicht nach gewinnen. Die Technik wird wesentlich ausgefeilter sein.

Im Sekretariat wird sich, außer dem architektonischen Grundriss, nicht viel ändern.

Inwieweit waren Sie in die Planungen eingebunden? Welche Vorstellungen und Wünsche der Schulleitung und der Lehrer wurden im Planungsprozess berücksichtigt? Können Sie uns hierfür ein konkretes Beispiel nennen?

Ich sag mal, wir haben das Ganze von Schulleitungsseite her weitestgehend in die Hand genommen, weil es immer unter einem gewissen Zeitdruck stattgefunden hat und es uns als relativ schwierig erschien, 70 Lehrer mal kurz nach ihrer Meinung zu fragen. Deswegen haben wir das Meiste in der Schulleitung geregelt und da, wo es uns sinnvoll erschien, den ÖPR mit ins Boot geholt. Wir haben auch den Eindruck, dass das Kollegium mit dem, was wir hier haben, relativ zufrieden ist. Wir erhalten wenig Rückmeldung im Hinblick darauf, was besser sein könnte - im DV-Bereich fast gar nichts. Wir gehen also davon aus, dass die Lehrer zufrieden sind. Letztendlich ist das grundlegende Prinzip gewesen, dass die guten Dinge hinübergerettet werden und durch einiges ergänzt werden, sprich z.B. den Prüfungssektor, wodurch man Aufsichten spart und geregelte Abläufe hat. Bzgl. der Lehrerzimmer und Lehreraufenthaltsräume haben wir gefragt, wie die Lehrer das bisherige Konzept mit einem großen und mehreren kleinen Arbeitszimmern finden. Es gibt auch Schulen, die nur kleine Arbeitszimmer haben. Der Wunsch war, dass es so bleibt, wie es ist, und das hat für viele Sachen gegolten.

Haben Sie diesbezüglich den Eindruck, dass Sie vom Träger in die Planung einbezogen wurden?

Sehr gut. Das war im Vorfeld unsere Sorge. Wir hatten uns andere Schulen angesehen und was bei mir hängengeblieben ist, ist dass die Schulleitungen erzählt haben, sie seien nicht ausreichend gehört worden. Dieses Gefühl hatten wir nie. Wir hatten stets den Eindruck, dass uns sehr gut zugehört wird. Da gibt es keinen Grund zur Klage – das war top.

Das ist ja sehr erfreulich, da gerade bei einem solchen Riesenprojekt manchmal der Eindruck entsteht, es wollten sich manche Verantwortliche profilieren.

Unser Gefühl war, dass niemand sich hier profilieren wollte, sondern dass es um rationale Aspekte ging und dass das Bewusstsein da war, die Schule wisse am besten Bescheid, was für sie gut sei. Dies wurde nie in Frage gestellt, was ich sehr gut finde.

Es gab eigentlich nur einen Moment diesbezüglich, der davon abwich. Aus dem Architektenbüro wurde uns rückgespiegelt, dass unsere Art, den Lehrerbereich im Klassenzimmer zu gestalten – mit Tafel und Präsentationsfläche, aber ohne Whiteboard etc. – nicht mehr zeitgemäß wäre. Da dachte ich mir nur: Okay Freunde, wir können ja auch mal vorbeikommen und euer nächstes Gebäude planen! Aber ansonsten war es immer in Ordnung.

Der Finanzrahmen bringt es üblicherweise mit sich, dass nicht alle Wünsche realisiert werden. Welche Hoffnungen der Schulleitung und des Kollegiums bleiben Träume?

Ganz am Anfang hätte man noch bei der Planung bestimmte Dinge berücksichtigen können, z. B. eine zentrale Lage der Bibliothek oder der Cafeteria zwischen beiden Schulen. Hier hätte man noch einen draufsetzen können. Dann fallen mir vor allem die naturwissenschaftlichen Räume ein, bei denen wir Einbußen haben. Ansonsten eher wenig (muss nachdenken) … durchweg Kleinigkeiten, wie Wünsche bei der Küchenausstattung. Es überwiegt tatsächlich die Zufriedenheit.

(Überlegt) Worauf haben wir sonst verzichtet? Ach ja, das grüne Klassenzimmer ist nicht gekommen.

Nachfrage: Was ist ein grünes Klassenzimmer?

Die Möglichkeit im Freien zu unterrichten, mit ein paar Steinbänken oder ähnlichem.

Was waren und sind die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Neubau?

Am Anfang zu durchschauen, wie finanzielle Förderung funktioniert, sprich zu schauen, wie die Quadratmeterzahlen aussehen müssen. Man muss schauen, was das Land Baden-Württemberg fordert, was das RP sagt, was steht einer Schule zu, was haben wir hier. Dann muss man schauen, wovon haben wir hier zu viel, wovon haben wir zu wenig; wie kann ich das, was wir zu viel haben und auch brauchen, mit in den Neubau retten; wie gehe ich mit dem um, was zu wenig ist. Es ist am Anfang die Menge, die einen erschlägt.

Dann gibt es natürlich Bereiche, von denen man als einzelner gar keine Ahnung hat. Da sind wir in der Schulleitung aber ganz gut bedient, da jeder eine spezielle Fähigkeit mitgebracht hat. Das war wohl ein Glücksfall.

Es waren also vor allem planerische Aspekte, die Herausforderungen darstellten. Sprich konkret aufzuschreiben, was man an welcher Stelle braucht. Ich habe versucht, es zu systematisieren (Welch eine Überraschung?, Anm. d. Redaktion): Was haben wir? Was sagen die Vorschriften? Was wollen wir? Diese drei Fragen so zu organisieren, dass alle mitgehen konnten, war am Anfang eine große Herausforderung.

Und dann muss man bei alledem noch den Überblick bewahren.

Irgendwann bekommen Sie dann 200-300 Seiten Bauaufgabenbeschreibung, mit der Bitte, sie mal durchzuschauen. Das sind Sachen, von denen Sie im Prinzip keine Ahnung haben. Das geht dann bis zur Steckdose. Da lernen Sie querlesen.

Haben Sie insgesamt ein gutes Gefühl?

Ja, immer noch.

Als ein großer Vorteil des Neubaus wird der Campusgedanke mit der FRS genannt. Können Sie das anhand eines Beispiels konkretisieren?

Die Frage ist zunächst: Wie definiere ich einen Campus? Ein Campus ist für mich ein Gelände, das möglichst viele gemeinschaftliche Einrichtungen hat, die möglichst gut verteilt und für alle auf dem Campus befindlichen Institutionen gut zu erreichen sind. Da wird nicht viel hinzukommen: Wir haben die Sporthalle, die Bibliothek und die gemeinsame Cafeteria. Insofern ist das Neue, dass die FRS Räume bei uns im Gebäude haben wird und unser Chemie-Unterricht drüben stattfinden wird. Zudem gibt es einen großen Konferenzraum, der von beiden Schulen genutzt wird. Die Wege zwischen beiden Schulen sind eher kürzer geworden. Die Arbeit beider Schulen wird noch enger verbunden werden. Vermutlich wird es auch gemeinsame Fahrradständer geben. 

Werden die Schulen auch direkt verbunden sein?

Es wird keinen überdachten Gang o. Ä. geben. 

Wie kam es zum Verlust der naturwissenschaftlichen Räume?

Das RP und der Schulträger haben gesagt: Freunde, ihr habt in beiden Schulen genügend naturwissenschaftliche Räume, somit müsst ihr die auch gemeinsam nutzen. Dazu sage ich ganz ehrlich, ich bin nicht nur stellvertretender Schulleiter, sondern auch Steuerzahler, und dafür habe ich Verständnis. 

Wird es dadurch Nachteile geben?

Wenn Schulen kooperieren, ist es nie reibungsfrei. Das ist eine Illusion. Wir werden gut zusammenarbeiten, das funktioniert sehr gut mit drüben (FRS, Anm. d. Red.). Von den Wegen her wird es nicht weiter sein als bisher. 

Betrifft das nur die Chemie?

Nein, auch die anderen Naturwissenschaften. Wenn wir genau hinsehen, dann sind die naturwissenschaftlichen Lehrkräfte die großen Verlierer. Die Biologen werden an zwei Orten arbeiten, während die Physiker der FRS zu uns kommen müssen. Bezüglich der Situation in Chemie verstehe ich, dass die Chemielehrkraft nicht sonderlich begeistert ist, aber da hatten wir keine Argumente gegenüber dem Landkreis in der Hand. 

Sprich, da war einfach der Kostenfaktor entscheidend?

Ja, das muss man einfach auch mal akzeptieren. 

Welche weiteren Dinge werden wir Ihrer Meinung nach von unserem bisherigen Schulgebäude vermissen?

Mein Zimmer hier, das angemessen groß war – finde ich (ca. so groß wie ein Klassenzimmer, Anm. d. Red.). Es wird kleiner werden.

Ich habe nun auch die ersten Designentwürfe von der Innenausstattung gesehen und muss sagen: Alle Achtung! Herr Boyn und ich waren sehr angetan davon, wie das aussehen wird. Wobei man vorsichtig sein muss, da ich mir sagen lassen habe, dass Architekturbüros sehr talentierte Zeichner anstellen. 

Und im Hinblick auf die wunderschöne Aussicht von unserem jetzigen Standort aus?

Also, wir werden dann eben mehr in Richtung Aichtal schauen als in Richtung Neuffen. Da das alte Gebäude so schnell wie möglich plattgemacht werden soll, dürfte sich unser Blick auf den Hohenneuffen nur um fünfhundert Meter weiter nach hinten verlagern. Aber dafür sehen wir dann vielleicht besser in die Stadt hinunter.

Was passiert denn dann mit dem alten Gebäude?

Es wird sehr schnell abgerissen. Wir gehen davon aus, dass wir zum Jahreswechsel 2019/2020 umziehen und dass das Gebäude, in dem wir uns gerade befinden, sechs bis acht Wochen später weg sein wird. Wir können uns also jetzt schon langsam überlegen, wie wir es ausschlachten. 

Abrissparty?

Vielleicht machen wir ja auch eine Art Basar mit den Restmöbeln etc.

Das bringt mich zu den zwei noch ausstehenden großen Herausforderungen: Der Umzug der gesamten DV. Die andere große Sache sind die Möbel verbunden mit der Frage: Welche unserer Sachen kommen wohin? Da spielen auch ästhetische Gesichtspunkte eine Rolle. In den Faschingsferien bin ich bereits mit einer Architektin durch das Schulhaus gegangen und habe eine Art Bestandsaufnahme gemacht. Es ist schon erstaunlich, was sich in 40 Jahren wohin bewegt hat. Diesbezüglich erwarte ich noch viel Arbeit, die auf uns zukommt. 

Laut Planung soll der Neubau in 1,5 Jahren stehen. Das klingt ambitioniert. Wie optimistisch sind Sie, dass wir tatsächlich in den Weihnachtsferien 2019/20 umziehen?

Sie meinen wohl, wie pessimistisch. Unser Lieblingstermin wäre Sommer 2020 gewesen – gar keine Frage. Dann hieß es Ostern, was immer noch besser gewesen wäre. Zuletzt hieß es Januar 2020. Januar ist immer eine sehr arbeitsintensive Zeit für uns und ich halte diesen Zeitraum aus schulischer Sicht nicht für einen guten Umzugstermin. Allerdings gilt auch hier, dass diese Entscheidung nicht in unserer Hand liegt. Wir haben unsere Wünsche angebracht, aber da sagt der Bauträger eben: Da müsst ihr durch. Die Weihnachtsferien sind sicherlich nicht mein Wunschtermin, aber wenn es so ist, dann ist es halt so. Life is not a wishconcert. 

Die Frage ist für mich jetzt, ob wir bei Verzögerungen evtl. während der Schulzeit umziehen müssen.

Nein, es wird definitiv in den Ferien sein, da bin ich mir sicher. Ein Umzug wäre während des Schulbetriebs nicht leistbar, ohne dass die Schule ein oder zwei Wochen dicht gemacht werden muss. Die Frage ist noch, inwieweit man das Kollegium mitnehmen muss, weil der ein oder andere sicherlich aus gutem Grund sagen wird, das nehme ich lieber selbst mit. 

Wurden für den Temin Gründe genannt?

Da geht es ums Geld. 

Was haben Sie persönlich bei der Arbeit am Neubauprojekt hinzugelernt?

Im Wesentlichen den ganzen Arbeitsprozess, also wie das Ganze abläuft. Auch ein bisschen was Architektonisches bei Details, sprich welche unterschiedlichen Lösungen es wo gibt. Drittens, dass der Job richtig stressig sein kann. Und zu guter Letzt: man kann sich auch zu Tode regulieren. 

Hat sich der Aufwand gelohnt?

Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es gibt ja auch Aufwand, der einen nervt, aber das war hier nie der Fall. Sondern es war eher die Chance, zu sagen, das gestaltet man. Und wenn man dann einzieht sagen zu können, das habe ich beeinflusst, wird sicherlich ein schönes Gefühl sein.

Das Störende war eigentlich immer nur, dass es phasenweise zeitlich so belastend war, dass es auf Kosten von anderen Dingen ging. Es ist sicherlich organisatorisch und im Hinblick auf meinen Unterricht einiges liegen geblieben, was man gerne in Angriff genommen hätte. Hier bitte ich alle Betroffenen noch einmal um nachträglich um Verständnis. Es werden ziemlich sicher auch noch einmal solche Phasen kommen. 

Wie hoch sehen Sie die Gefahr, dass wir Sie in naher Zukunft an eine Beratungsfirma verlieren werden, die sich auf Schulhausneubauten spezialisiert hat?

Das ist eine Frage des Angebotes, Herr Schweiker. Es müsste aber schon ziemlich gut sein, damit ich schwach werde. Denn es ist immer noch ein schöner Job, den wir hier haben. Wenn man auf Sitzungen geht und die anderen sieht und sich überlegt, was deren Jobs sind, dann denke ich, ich hab’s doch ganz gut erwischt. 

Das ist doch ein schönes Schlusswort. Herr Zurowski, ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Zeit und das Gespräch. 

Die Fragen stellte DANIEL SCHWEIKER.

Schulleiter und Landrat baggern gemeinsam –
Der „Baggerbiss“ für das neue Schulgebäude der ASS

Baggerbiss

Ein Landrat und ein Schulleiter, beide im eleganten Anzug, die mit sichtbarer Freude gemeinsam auf einem imposanten gelben Bagger stehen und mit der riesigen Baggerschaufel ein symbolisches Loch ausheben – dieses außergewöhnliche und symbolträchtige Bild gab es am 03. Mai 2018 auf dem Säer zu bestaunen.

Aber außergewöhnlich war schließlich auch der Anlass: Denn an diesem Tag wurde auf der Baustelle an der Albert-Schäffle-Straße/Säerstraße feierlich der sogenannte Baggerbiss für das neue Schulhaus der Albert-Schäffle-Schule begangen. Ein Festakt, der den Beginn der Bauarbeiten für die Öffentlichkeit symbolisiert.   

Landrat Heinz Eininger, dessen Landkreis Esslingen fast 28 Millionen Euro in die neue Heimat der kaufmännischen Schule investiert, eröffnete den Festakt mit einer Rede und betonte gleich zu Beginn seine enge persönliche Beziehung zur ASS: „Hier oben auf dem Säer habe ich selbst noch Abitur gemacht.“ Nostalgie zum bisherigen Schulgebäude komme allerdings trotzdem nicht in Frage, da „ein Neubau heute paradoxerweise billiger ist als die Sanierung des alten Gebäudes“. Vor allem dann, wenn diesem Gebäude mittlerweile „Probleme mit der Statik und dem Brandschutz“ zu schaffen machen. Wichtig sei dem Landkreis außerdem, dass „mit der Millioneninvestition gerade eine berufliche Schule langfristig gestärkt wird, denn kaum eine andere Schulart eröffnet mehr Aufstiegschancen und in der ganzen Welt beneidet man Deutschland um diese Schulart.“ Außerdem biete dieser Neubau der ASS direkt neben der Fritz-Ruoff-Schule den Vorteil, „dass der Schulcampus-Gedanke künftig noch aktiver gelebt wird und die Synergien zwischen den beiden beruflichen Bildungsstätten effektiver genutzt werden.“ Nicht zuletzt verwies Landrat Einiger auf seriöse Prognosen, wonach „mittelfristig wieder anwachsenden Schülerzahlen zu erwarten sind“, weshalb der Neubau eine notwendige und sinnvolle Investition im Sinne einer langfristigen Schulentwicklung sei.

Auch der Nürtinger Baubürgermeister Andreas Neureuther betonte die große Bedeutung der ASS für die hiesige Bildungslandschaft und unterstrich, dass bei dem Neubau „auf einen hohen energetischen Standard und auf Nachhaltigkeit geachtet wird, so dass das neue Gebäude fast CO2-neutral sein wird“.

Schulleiter Thomas Gundelsweiler schwärmte in seiner abschließenden Rede, welch „fantastische Chance der Neubau für alle Lehrer und Schüler der ASS“ sei. Nicht zuletzt lobte er die „enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Landkreis, wobei die Wünsche der künftigen Nutzer bei der Planung durchaus gehört und berücksichtigt werden“, was keineswegs selbstverständlich sei.

Von der Baustelle machten sich die ca. 150 Besucher auf zum bisherigen Schulgebäude, wo sie ein Buffet der „Ebermann Gastronomie“ erwartete, bei dessen Anblick sich manch ein Besucher zwei Mal überlegte, ob er die kulinarischen Kunstwerke mit einem schnöden Biss zerstören sollte. Während des Stehempfangs sorgten „The Alberts“ mit ihren stimmgewaltigen Sängern Yan Mushegera, Gizem Bozdemir und Jule Heszler für musikalische Unterhaltung und bewiesen den anwesenden Politikern, „dass es sich lohnt einen Schulband-Raum im neuen Schulhaus genehmigt zu haben“, wie Schulleiter Thomas Gundelsweiler schmunzelnd ankündigte.  

Außerdem wartete in der Schulaula auf die Gäste eine Ausstellung, die den bisherigen Baufortschritt anhand einer Photoserie veranschaulichte. Auf große Neugier der Gäste stießen auch die ausgestellten großformatigen Baupläne, die einen konkreten Eindruck vom künftigen Schulhaus ermöglichten. So bleibt der „Baggerbiss“ als ebenso informativer, wie symbolträchtiger und wegweisender Nachmittag für die Zukunft der ASS in Erinnerung.

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