Interview mit Hausmeister Walter Köble

Hausmeister

Wie lange bist du schon Hausmeister an unserer Schule?

Seit 33 Jahren.

Warum hast du eigentlich diesen Beruf gewählt?

Ich war damals auf dem Bau tätig und mir wurde gesagt ich hätte Rheuma, was sich später als falsch erwies. Danach war ich bei der Bundeswehr und anschließend in einer Fabrik. Dabei stellte sich heraus, dass mir die Fabrikarbeit nicht gefällt, da ich ein Mensch bin, der lieber freier arbeitet.

Der andere Grund war, dass ich damals schon (Handy klingelt, wird ignoriert) innerhalb kurzer Zeit mehrmals die Firma wechseln musste und aus dieser Erfahrung heraus eine Stelle bis zur Rente gesucht habe.

Zudem habe ich früher schon Jugendarbeit gemacht und der Umgang mit den Jugendlichen machte mir damals schon Spaß. Auch heute macht es mir noch Spaß und vielleicht merkt man ja, dass ich noch relativ jung für meine 60 Jahre bin.

Wenn mich die Schüler fragen, sage ich: Damit ich die Kehrwoche während der Arbeitszeit machen kann. 

Was hast du denn von Haus aus gelernt?

Ich bin gelernter Gas-/ Wasser-Installateur, habe also einen handwerklichen Beruf erlernt. 

Ein Arbeitsort voller pubertierender Jugendlicher und rechthaberischer Lehrer klingt anstrengend. Warum hast du dich trotzdem für diesen Arbeitsort entschieden?

(Handy klingelt, dieses Mal geht er ran) Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine Probleme mit Lehrern habe. Aber manche Lehrer haben ein Problem mit mir, weil ich ihnen manchmal zu konsequent bin. Ich hatte auch schon eine Lehrerin, die mich nur kannte, wenn sie etwas von mir wollte. Ich reagiere manchmal auch so, wie man auf mich reagiert. Jahrelang war ich mit den Lehrern per Sie. Inzwischen bin ich mit allen Lehrern per du, weil es persönlicher ist und wir alle ein Team sind. Außer mit Herrn Gundelsweiler bin ich auch mit der gesamten Schulleitung per du. Das finde ich besser.

Früher war die Situation anders. Das Kollegium war älter und viele Kollegen waren teilweise untereinander per Sie. Jetzt sind viele junge Lehrer da, die sich alle untereinander duzen. Sich anzupassen und die Entwicklungen mitzumachen halte ich in der Schule für sehr wichtig. 

Hast du einen Lieblingsort in unserer Schule, an dem du besonders gerne bist?  

Im Kraftraum. Ich muss ehrlich sagen, dass ich früher nicht viel Sport gemacht habe. Aber durch den Austausch meiner Hüfte bin ich gezwungen, Sport zu treiben, um die Muskeln wiederaufzubauen, und mir tut das auch gut. Früher hatte ich keine Zeit dazu, weil ich eigentlich immer gearbeitet habe. Ich habe nebenher bei Verwandten im Landschaftsbau jeden Samstag und jeden freien Tag gearbeitet. An der Kirche pflege ich die Gartenanlage. Nun habe ich die Arbeit etwas zurückgeschraubt, treibe eher Sport und fühle mich wohl. Zum Beispiel genieße ich es, sonntagmorgens um halb achte in den Kraftraum zu gehen – da habe ich meine Ruhe.

Hausmeister

Du warst krankheitsbedingt einige Zeit nicht an der Schule. Wie geht es dir zur Zeit gesundheitlich?

Ich habe mit der Hüfte keine Probleme, sondern im rechten Fuß. Bald muss ich wieder zur Untersuchung. Der Arzt meinte vor einer Weile, es sei eine Sehnenscheidenentzündung, die durch die Fehlbelastung komme. Aber ich kann arbeiten und bin schmerzfrei. Das ist für mich das Wichtigste. Momentan mache ich eine Reha nach der Reha, wofür ich zweimal in der Woche nach Bad Urach muss. Das tut mir gut. 

Was war dein schönstes Erlebnis an der ASS in den letzten 33 Jahren?

Es gab zwei Sachen. Die eine Sache war folgende: Wir haben einmal einen Abifilm gedreht, der eigentlich brutal war. Im Film sitze ich mit Lederjacke und Sonnenbrille auf der Kehrmaschine und fahre aus der Garage. Oben auf der Garage stand ein Schüler, der das Garagentor aufzog. Ich fahre also aus der Garage mitten hinein in eine Gruppe rauchender Schüler. Die Szene wurde so vorbereitet, dass die Kehrmaschine hochgefahren wurde und die Schüler sich davor bzw. darunter legten, wobei sie noch mit Theaterblut eingeschmiert wurden. Anschließend wurde ein Rundbild gemacht, sodass man alle unter der Kehrmaschine liegen sieht. Die Szene wurde mit der Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ unterlegt und am Schluss wurde der Slogan eingeblendet „Rauchen gefährdet ihre Gesundheit“.

Die andere schöne Sache war, dass draußen vor dem Schulgebäude ein Schüler Müll auf den Boden warf. Ich kam vorbei und sage zu ihm: „Des hebsch du auf!“ Darauf sagte der Schüler: „man redet mich mit Sie an.“ Ich antwortete ziemlich laut, sodass es der halbe Schulhof hören konnte: „Sie Seggel.“ Einige andere lachten. Ein halbes Jahr später kam der Schüler beim Abischerz auf mich zu und entschuldigte sich bei mir für diesen Vorfall. Er hatte das nicht vergessen.

Natürlich waren auch die Feiern mit den Lehrern oder meine privaten Feiern hier in der Aula sehr schöne Ereignisse, z.B. Konfirmationen oder meine große Geburtstagsfeier zum 60. Geburtstag. 

Als Hausmeister musst du naturgemäß die Schüler regelmäßig an die Regeln im Schulhaus erinnern. Ist dir auch eine besonders erfreuliche oder überraschende Erfahrung mit Schülern im Gedächtnis geblieben?

Was ich gut finde, ist, dass viele – nicht alle, aber viele – Schüler darauf hören, wenn man ihnen etwas sagt. Wenn man z.B. in der Mittagspause zu den Schülern ins Klassenzimmer geht, nur zwei Leute dasitzen und das Licht brennt und man ihnen dann erklärt, dass eine Neonröhre 36 Watt hat und unsere Schule pro Woche ca. 4000 kWh verbraucht, also so viel wie eine vierköpfige Familie im Jahr, dann achten einige doch eher auf den Stromverbrauch. Man kann also durch Erklärungen und Erzählen viel bewirken.

Als ich nach meiner krankheitsbedingten Abwesenheit wieder in die Schule kam, sprachen mich viele Schüler an und fragten z.B. „Wie geht es Ihnen? Endlich sind Sie wieder da.“ Es ist auch sehr schön, dass in so einer Weise eine Rückmeldung kam und dass meine Anwesenheit von den Schülern wahrgenommen wird. 

An der ASS finden zahlreiche Veranstaltungen statt, in deren Auf- und Abbau du meist involviert bist. Gibt es eine Veranstaltung, die du besonders reizvoll oder sinnvoll findest?

Also was mich persönlich wundert ist, dass bei all den Veranstaltungen in der GASS, Ausstellungen und Vernissagen etc., außer einem zerbrochenen Bilderrahmen noch nie etwas beschädigt wurde, dass also alle einen gewissen Respekt vor der Kunst haben, ob sie einem gefällt oder nicht. Ich selbst habe auch Bilder aus der GASS zu Hause, z.B. von Karlheinz Goll.

Ich denke aber auch, dass die Organspende-Information und die Blutspende-Aktion wichtige Veranstaltungen sind. Eben auch um die Schüler auf die Thematiken aufmerksam zu machen. So etwas bereichert das Schulleben und ist wichtig. Nicht zu vergessen sind auch Veranstaltungen, wie die Schüler-Weihnachtsfeier, die den Zusammenhalt fördern.

Hausmeister

Gute Hausmeister sind rar: Warum ist das so?

Ich glaube, es gibt schon gute Hausmeister, auch an anderen Schulen, zumindest diejenigen, die ich kenne. Viele Hausmeister sind halt ewige Bruddler. Wir hatten z.B. damals einen Hausmeister in der Hauptschule, der von der Statur her ein Kleiderschrank war und immer an die Türe hinstand, um zu schauen, dass alle ihre Schuhe abputzten. Warum war das so? Weil die Hausmeister selber putzen mussten.

Was mich auch immer aufregt ist, dass man als Hausmeister zwar technisch versiert sein muss, aber die Darstellung von Hausmeistern in den Medien stets schlecht ist. Im Fernsehen ist der Hausmeister immer ein Depp. Und inzwischen bewerben sich auch solche Leute auf die Stellen. Das Image ist schlecht. Es wird immer so dargestellt, dass Hausmeister nur hin- und herrennen, aber dass man als Hausmeister viel lernen und leisten muss, wird nicht berücksichtigt.

In einer anderen Schule habe ich von einem Bewerber gehört, der sich als Hausmeister beworben hatte und gefragt wurde, was er denn für eine Vorstellung von seinem zukünftigen Beruf habe. Darauf habe er geantwortet: Ein bisschen herumlaufen und Sicherungen reinmachen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei, wenn ich sehe, was allein an Wartung in unserem Gebäude zu leisten ist. 

Was macht einen guten Hausmeister deiner Ansicht nach aus?

Dass er menschlich ist, technisch versiert und interessiert. Früher ging ich auch viel auf Messen, vor allem als ich noch eine eigene Putzkolonne hatte (heute sind nur noch zwei Putzkräfte direkt dem Hausmeister zugeordnet, der Rest wird über eine Reinigungsfirma abgedeckt). Heute schaue ich auch viel im Internet, z.B. nach den aktuellen Vorschriften und deren Umsetzung. Vom Landkreis bekommen wir zwar die Vorschriften, aber die Umsetzung und Dokumentation liegt in meiner Verantwortung. Ich habe mir hierzu zum Beispiel Exceltabellen angelegt.

(Das Handy klingelt wieder, wird abgelehnt) 

Egal zu welcher Uhrzeit man an die ASS kommt, eines ist sicher: Du bist da und man sieht dich bei der Arbeit. Wie sieht denn solch ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Morgens komme ich um halb sieben, um die Schule aufzuschließen. Dann mache ich eine Technikkontrolle. Normalerweise arbeite ich täglich zwischen neun und zehn Stunden. Wenn aber irgendetwas vorkommt, muss man länger arbeiten. Nach dem Aufschließen erledige ich Reparaturen, die vor dem Eintreffen der Schüler durchgeführt werden müssen. Anschließend geht man durch das Schulhaus und erledigt seine Wartungen und Reparaturen; das können jeden Tag andere sein. Man muss sich also jeden Tag selber zuteilen, was man macht. Meistens erstelle eine Liste und arbeite die dann ab. 

Solch ein Arbeitspensum geht sicherlich nicht ohne Freude an der Arbeit. Was macht dir am meisten Freude?

Eigentlich alles. Das Einzige, was ich nicht gerne tue, ist verstopfte Rohre zu reinigen oder Räume zu säubern, in welchen sich jemand übergeben hat. 

Was sind die größten Herausforderungen für dich als Hausmeister?

Die größte Herausforderung ist für mich, dass der Schulbetrieb möglichst reibungslos läuft. Das geht nicht immer, aber das ist das Ziel. Beim Winterdienst geht es darum, möglichst alle Wege zu räumen, ehe die ersten Personen kommen. Bei Veranstaltungen müssen bis zu 300 Stühle aufgestellt werden. Ich hole nicht alles gleichzeitig aus dem Lager, aber man muss so etwas gut planen. Dann gibt es zur Zeit sehr viele Reparaturen, vor allem die Elektrik und die Jalousien machen mir zu schaffen.

Lehrer und Schüler haben ja gemeinhin viele Ferien. Genießt eigentlich auch Hausmeister dieses Privileg oder welche Aufgaben warten auf dich während dieser Lehrer- und Schülerfreien Zeit?

Ein Hausmeister hat in der Regel dreißig Tage Urlaub, wie jeder andere Arbeiter auch, und die muss er in den Ferien nehmen. Außerhalb dieser Urlaubszeit mache ich in den Ferien einen gezielten Durchgang durch das Haus. Ich gehe durch jeden Raum, schaue mir die Steckdosen genau an, die Jalousien, die Schränke und Möbel, führe Tafelkontrollen durch, prüfe die Projektionsflächen, die Sanitäranlagen und Waschbecken. Grund hierfür ist, dass man in den Ferien seine Ruhe hat. 

Was empfindest du als die größten Stärken unserer Schule?

Mit Sicherheit ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ein sehr gutes. Das Umfeld und soziale Miteinander sind sicherlich ein sehr gutes. Im Vergleich zu anderen Schulen sind wir relativ klein und überschaubar, was sich positiv auf das innere Klima auswirkt. Es gibt ja auch Schüler mit mehreren Tausend Schülern. Zudem herrscht hier ja doch eine gewisse Ordnung. 

Nächstes Jahr steht der Umzug in unseren Neubau an. Was wirst du von unserem bisherigen Schulgebäude am meisten vermissen?

Ob ich überhaupt etwas vermisse werde, kann ich eigentlich noch gar nicht sagen, vielleicht die schöne Aussicht. An Silvester z.B. gehen wir immer hoch in Raum 305 und schauen uns das Feuerwerk an. Meine Kinder kennen das von klein auf. Ob man vom Neubau auch in die Stadt hinuntersieht, müssen wir abwarten. 

Viele wissen gar nicht, dass du sozial sehr engagiert bist und z.B. an Weihnachten Spendenaktionen für benachteiligte Kinder durchführst. Woher kommt dieses Engagement?

Das kommt eigentlich schon von klein auf. Ich war früher bei den Pfadfindern und habe Jugendarbeit gemacht. Bezüglich der Spendenaktion für Cleft (eine Organisation, die Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hilft, Anm. d. Red.) kommt mein Engagement durch einen Konzertbesuch in Hardthausen zustande, wo ich zum ersten Mal mit dieser Problematik konfrontiert wurde. Das Cleft-Kinderhilfswerk wurde von einem Bekannten von mir geprüft, der die Organisation durch Musik unterstützt. Dadurch weiß ich, dass mein Geld zu 100% dort ankommt, wo es ankommen soll. Mein Bekannter war schon in Indien und hat sich die Situation dort angeschaut. Und wenn man eben sieht, dass man einem Kind das Leben vereinfachen oder sogar retten kann, indem man dessen Gaumenspalte für 250 Euro operiert, muss man ehrlich sagen, dass hier jeder Euro, den man spendet, eine enorme Bedeutung hat.

Die Idee, Tannenzweigen gegen eine Spende abzugeben, kam daher, dass ich beim Schneiden meiner Hecke so viel Reisig übrighatte. Daher dachte ich, ich könnte einfach mal probieren, es für eine Spende abzugeben. Vorletztes Jahr konnte ich so 280 Euro und letztes Jahr 180 Euro sammeln und überweisen. 

Woher kommt die soziale Ader? Hat sie auch mit deinem Glauben zu tun?

Mit Sicherheit. Ich bin ein Mensch, der helfen will. Da bin ich auch ganz konsequent. Wenn jemand kommt und Hilfe braucht, helfe ich gerne. 

Es ist ja nicht mehr lange, bis du in Rente gehen darfst (4 Jahre). Welche Pläne hast du für diese Zeit?

Ich habe noch keine Pläne gemacht, soweit bin ich noch nicht. Zunächst werde ich bald zur Rentenberatung gehen und mich beraten lassen, wie lange ich überhaupt noch arbeiten muss. In der Reha wurde mir gesagt, dass ich bis 64 arbeiten muss. Ich lasse das in Ruhe auf mich zukommen. Ob ich bis zum Ende arbeiten kann, das weiß ich nicht. Das entscheidet Gott. Ich hoffe, ich darf bis 64 arbeiten und danach noch einige schöne Jahre erleben. 

Das hoffen wir auch.

Walter, ich danke dir für deine Zeit und das angenehme Gespräch. 

Die Fragen stellte DANIEL SCHWEIKER.