Die VABO-Klassen im Einsatz bei der Nürtinger Vesperkirche

Auch in diesem Jahr beteiligten sich unsere beiden VABO-Klassen bei der Nürtinger Vesperkirche, welche unter dem schönen Motto „gemeinsam an einem Tisch“ vom 25. Januar bis zum 15. Februar im Martin-Luther-Hof stattfand. Diese sogenannten Migranten- oder Willkommensklassen setzen sich aus Schülern zusammen, die noch nicht lange in Deutschland sind und zunächst die Sprache lernen – die meisten von ihnen stammen aktuell aus der Ukraine (VABO = Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse). Organisiert durch die Schulseelsorge in Kooperation mit den Klassenlehrkräften nutzt die Albert-Schäffle-Schule seit nunmehr sieben Jahren diese wertvolle Gelegenheit, sich aktiv in die Stadtgesellschaft einzubringen. 

Und so machten sich an zwei Freitagen die betreffenden Schüler mit ihrer jeweiligen Klassenlehrerin auf den Weg zur Lutherkirche, wo nach organisatorischen Klärungen und einem spirituellen Impuls die unterschiedlichen Aufgaben übernommen wurden: ob Essensausgabe, Bedienung, Spülküche, Getränkeservice, Geschirr oder Kinderbetreuung – unterschiedliche Tätigkeiten warteten auf die jungen Leute, die durch erfahrene Ehrenamtliche unter der Leitung von Diakonin Evi Handke ausgesprochen freundlich, verständnisvoll und hilfsbereit integriert und angeleitet wurden. Umgekehrt wurde auch von den „Alten Hasen“ die Einsatzbereitschaft der Schüler gelobt: sie machten nun die Erfahrung, sich selbst für andere engagieren und etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu können – zudem die im Unterricht erlernten Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden. Eine Reflexionsrunde schloss am Nachmittag den gemeinsamen Einsatz ab.

Der aus der Türkei stammende Emin drückte seine Erfahrung folgendermaßen aus: „Als ich dort gearbeitet habe, machte ich jeder Frau und jedem Mann, die zu mir kamen, Komplimente, und das hat sie wirklich glücklich gemacht. Das ist tatsächlich etwas sehr Schönes. Man muss jemanden nicht kennen, um etwas Nettes zu sagen – es reicht, wenn man es möchte. Wenn man ihr oder sein Glück sieht, wird man selbst auch glücklich. Der Einsatz in der Vesperkirche war eine schöne Erfahrung. Es war gut zu sehen, wie wichtig Respekt und Freundlichkeit sind. Solche Aktionen sind wichtig für unsere Gemeinschaft.“

Unter dem Namen „Vesperkirche“ führen mehr als 70 überwiegend evangelische Kirchengemeinden v.a. in Baden-Württemberg während der kalten Jahreszeit ein mehrwöchiges soziales Projekt durch, bei dem ein warmes Mittagessen mit Kaffee und Kuchen im Mittelpunkt steht, was zu einem symbolischen Preis mit der Möglichkeit einer Spende angeboten wird. Dabei geht es neben dem leiblichen Wohl genauso um die Möglichkeit der Begegnung bzw. des Gesprächs von „Jung und Alt, Reich und Arm“, also unterschiedlichsten Menschen der Stadtgesellschaft: ein Integrationsprojekt par excellence. Begleitet wird das kulinarische Angebot von kulturellen Beiträgen sowie speziellen Diensten wie einem Näh- und Flickservice, dem Friseur, Fußpflege oder Beratung zu anderen Fragen, die das Leben so mit sich bringt. Getragen wird das Projekt durch Kirchensteuermittel bzw. Zuschüsse, zahlreichen Spenden und die vielen Menschen, welche sich ehrenamtlich einbringen. Die Vesperkirchen gründen sich auf die Tradition der Bibel und folgen der Vision vom Reich Gottes, der in Jesus Christus die Menschen am Rande der Gesellschaft in die Mitte nahm.

Bodo Klehr, Schulseelsorger

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