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Chemie trifft auf Genuss: Exkursion des Chemiekurses in die Welt der regionalen Nudelherstellung bei ALB-GOLD

„Der Mensch ist, was er isst“ – so schrieb im Jahr 1864 der Philosoph Ludwig Feuerbach. Sein Zitat wurde zur Redewendung im deutschen Volksmund und verdeutlicht bis heute, welch großen Einfluss die Ernährung auf den körperlichen wie geistigen Zustand von uns allen hat. Dennoch achtet beileibe nicht jeder auf eine gesunde Ernährung. Denn gerade einmal 45% der Menschen in Deutschland gaben in der TK-Ernährungsstudie an, großen Wert auf gesundes Essen zu legen. Vor dem Hintergrund der neuesten Techniken in der Ernährungsbranche und Gentechnik erscheint dieser Wert umso besorgniserregender. Schließlich laufen 70 Prozent aller Kaufentscheidungen unbewusst ab. Umso wichtiger erscheint da die gemeinsame Exkursion unseres Chemiekurses aus der 13. Klasse, der uns in die Geheimnisse der Ernährung und der Herstellung einzigartiger kulinarischer Produkte einweihen sollte.

Am 09. November 2023 erwartete uns diese lehrreiche Auszeit vom normalen Schulalltag. Wir machten uns auf zur Firma ALB-GOLD, welche in Trochtelfingen, südlich von Stuttgart auf der Schwäbischen Alb ihren Sitz hat. Das Familienunternehmen ging aus einem von Franz Freidler 1968 gegründeten Hühnerhof hervor und stellt heute einen Pionier in der Nudelproduktion dar. Bei einer gemeinsamen Führung wurde uns besonders die Nachhaltigkeit des Unternehmens vor Augen geführt. Denn ALB-GOLD produziert ganz ohne künstliche Zusätze und besitzt deswegen das „ohne Gentechnik“-Siegel.

Aber wie werden diese besonderen Nudeln nun hergestellt? Bei einem Gang durch die Produktionshallen wurden uns zunächst die Zutaten nähergebracht und wir konnten an den Wänden Eigenschaften wie Nudelform, Teig- und Weizenart näher betrachten. Insiderwissen erhielten wir durch eine Angestellte, die uns herumführte und schrittweise den Herstellungsprozess erklärte. Großartig überrascht wurden wir dabei in einem Raum, in dem uns die Bedeutung von Eiern in diesem Prozess vor Augen geführt wurde. Die dortige „Eieraufschlagmaschine“ arbeitet nämlich mit einer Stundenleistung von stolzen 54.000 Eiern und ist damit ein unerlässlicher Schritt in der Herstellung des Nudelteiges. Als die ersten Nudeln der Firma ALB-GOLD im Jahr 1977 noch in reiner Handarbeit hergestellt wurden, betrug die Tagesleistung gerade einmal 40 Kilogramm Nudelteig, wohingegen heutzutage eine Leistung bis zu 60.000 kg möglich ist. Dieser Vergleich machte uns klar, welche Bedeutung die Einführung von Maschinen hatte. Allen war die Überraschung buchstäblich ins Gesicht geschrieben, als wir diese Kennzahlen hörten - Hätten Sie eine Leistung in solcher Höhe erwartet?

Anschließend erfuhren wir, wie die Ausformung des Teiges funktioniert. Dabei werden Teigwaren in drei Kategorien unterteilt: gepresste und gewalzte Nudeln und - ein jeder kennt und liebt sie - Spätzle. Jede dieser genannten Kategorien wird auf unterschiedliche Art und Weise weiterverarbeitet. Bei der Ausformung von gepressten Teigwaren lassen sich beispielsweise je nach Einsatz bis zu 60 unterschiedliche Ausformungen herstellen. Nachdem uns schrittweise der Herstellungsprozess von Rohstoffen zu Teig erklärt worden war, konnten wir nun der Trocknung der Nudeln von einer Anhebung aus zusehen. Imposant arbeiteten die glänzenden Maschinen in der Fabrikhalle unter uns und transportieren die Nudeln in Massen von Maschine zu Maschine. Beeindruckend war dabei zu sehen, wie reibungslos und perfekt aufeinander abgestimmt der ganze Ablauf ineinandergriff. Nachdem all unsere Fragen beantwortet waren, ging es ans Einkaufen. Der Firmenladen war liebevoll gestaltet und enthielt alles, was das Herz begehrt - Nudeln, noch mehr Nudeln und noch mehr Nudeln! Und zwar in den verschiedensten Formen und Herstellungsarten, von Schokonudeln über gluten-free Nudeln bis hin zu Dinosaurier-Nudeln. Sogar nach kleinen Weihnachtsgeschenken konnten wir bereits Ausschau halten, denn es gab auch Produkte wie Tee, Grußkarten und Weihnachtsgebäck. Zu guter Letzt konnte sich unser Chemiekurs in ALB-GOLDs Restaurant „Sonne“ kulinarisch verwöhnen lassen. Angeboten wurden Gerichte wie Maultaschen, Spätzle und Spaghetti Bolognese, natürlich allesamt aus hauseigenem Nudelteig. Und so konnten wir Trochtelfingen zufrieden mit gefülltem Magen verlassen.

Die Exkursion veranschaulichte uns auf tolle Art und Weise das aktuelle Thema unseres Chemie-Unterrichts – Kohlenhydrate. Denn sie sind besonders in Rohstoffen wie Getreide zu finden. Gerade weil Hartweizengrieß zu ca. 75% aus Kohlenhydraten besteht und der wichtigste Rohstoff für die Herstellung der ALB-GOLD Nudeln ist, sind Nudeln so sättigend. Auch wurde uns durch den Firmenbesuch ersichtlicher, dass die im Mehl enthaltenen Kohlenhydrate, hauptsächlich Stärke, während des Herstellungsprozesses verändert werden. Denn während des Mischprozesses von Mehl mit Wasser und anderen Zutaten treten einige chemische Reaktionen auf, die uns als Teilzeit-Chemiker natürlich besonders interessierten. Insgesamt konnten wir durch die Betriebsführung unsere im Unterricht gesammelten theoretischen Kenntnisse über Kohlenhydrate vertiefen und gewannen mehr Verständnis für die praktischen Anwendungen der chemischen Prinzipien im täglichen Leben. Eine weitere wertvolle Erkenntnis war die Bedeutung gesunder Ernährung, für die Kohlenhydrate eine zentrale Rolle spielen. Denn diese liefern Energie und fördern nicht nur die Verdauung, sondern sorgen auch für einen stabileren Blutzuckerspiegel. Gerade aus diesem Grund werden wir künftig häufiger Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte essen, welche wichtige Ballaststoffe und Vitamine enthalten. So wäre wohl auch Ludwig Feuerbach stolz auf uns gewesen. Alles in allem lohnte sich der Besuch der Firma ALB-Gold sehr und wir werden uns in den weiteren Chemiestunde sehnsüchtig an diese Exkursion erinnern. Denn so machen Naturwissenschaften doch besonders Spaß!

Text: Juli Beck (WGJ2C), Fotos: Marcel Börner und Aurelle Tchuente (WGJ2C)

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