Neue gelb-schwarze Mitglieder der Schulgemeinschaft - Die Bienen-AG

„Willst du Gottes Wunder seh’n, musst du zu den Bienen geh’n.“ So empfiehlt es der Volksmund. Und Albert Einstein wird die Warnung zugeschrieben: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ Beide Zitate eint, dass sie uns klarmachen, welch große Bedeutung die kleinen gelb-schwarzen Tieren für das Ökosystem und unsere Ernährungssicherheit besitzen.

Deshalb erscheint es nur folgerichtig, dass wir an der Albert-Schäffle-Schule nun im zweiten Schuljahr eine Bienen-AG pflegen. Initiator ist unser Biologie-Lehrer Matthias Dongus. Auf die Frage, warum er sich so gut mit Bienen auskenne, erinnert sich Matthias Dongus: „Mein Vater, der uns ja auch die ersten beiden Völker geschenkt hat, ist seit fast 40 Jahren Imker. Ich bin also sozusagen mit Bienen aufgewachsen. Meine Zulassungsarbeit am Ende meines Studiums habe ich auch an der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim gemacht. Und nun ist es für mich das erste Mal, dass ich allein für Bienenvölker verantwortlich bin.“

Im Jahr 2025 startete die AG mit den zwei angesprochenen Bienenvölkern, die aber mittlerweile Verstärkung bekommen haben. Nun leben vier Völker an der Südseite des Schulhauses mitten in unserer Wildblumenwiese. Das hat den Vorteil, dass die Bienen unsere Apfelbäume und Blumen bestäuben können. Natürlich wurde bei diesem Standort darauf geachtet, dass die Bienenkästen nicht zu nahe an der Albert-Schäffle-Straße stehen. Stattdessen hausen die Bienen in Sichtweite zu unserem Grünen Klassenzimmer, bei dem mittlerweile noch drei selbst gebaute Hochbeete aufgestellt und bepflanzt wurden. So wird deutlich, dass die Bienen-AG eng verzahnt ist mit dem ambitionierten Projekt, künftig einen eigenen ASS-Schulgarten zu schaffen mit Obstbäumen und Gemüseanbau.

Für Matthias Dongus stehen aber zunächst mal pragmatischere Ziele im Fokus der AG: Schülerinnen und Schüler verschiedener Schularten sollen zusammengebracht und ermutigt werden, sich an etwas Neues heranzutrauen. Gemeinsam lernen sie den artgerechten Umgang mit Bienen und arbeiten dabei ganz naturnah und praktisch. Gleichzeitig stärken sie ihr Verantwortungsbewusstsein und erfahren die ökologischen Zusammenhänge zwischen Bienen, Pflanzen und Menschen. Und nicht zuletzt stellen die Teilnehmer ein eigenes Produkt her: einen naturbelassenen Honig.

Ungefähr 20 Schüler identifizieren sich bereits mit diesen Zielen und engagieren sich begeistert in der Bienen-AG. Sie treffen sich in wechselnder Besetzung mehrmals monatlich außerhalb ihres Unterrichts, um sich gemeinsam um die neuen tierischen Mitglieder der Schulgemeinschaft zu kümmern. Und da gibt es viel zu tun. In der Vorbereitung wurden die Bienenkästen gestrichen und Rähmchen für die Waben gebaut. Und direkt am Bienenvolk werden regelmäßig die einzelnen Waben kontrolliert, ob eine Königenzelle entstanden ist. Lana Waldner, ein AG-Mitglied der ersten Stunde, beschreibt fachkundig weitere Tätigkeiten: „Wir kontrollieren regelmäßig, ob die Bienen von Milben befallen sind. Denn das würde den Bienen schaden. Für den Weihnachtsmarkt haben wir aus dem Bienenwachs Kerzen gebastelt, die wir an unserem Stand verkaufen.“ Bei der Honigernte dürften die jungen Nachwuchs-Imker die Wachsdeckel abschaben, den Honig schleudern, was stets ein großer Spaß ist, und ihn danach in Gläser abfüllen. Damit jedes Honigglas auch etwas hermacht, erstellen die Schüler dann noch eigene Etiketten, mit denen sie die Gläser bekleben.  

Auf die Nachfrage, ob die Teilnehmer eigentlich eine Belohnung bekommen, lächelt Lana irritiert und unterstreicht: „Natürlich nicht. Ich mache freiwillig mit, weil es mir Spaß macht.“ Ihre Freundin Amy Offterdinger aus der Klasse 12a ergänzt: „Außerdem ist es toll, gemeinsam mit meinen Freunden an einem Projekt zu arbeiten und immer etwas Neues über Bienen zu lernen. Bienen faszinieren mich einfach, weil sie so krasse und einzigartige Künstler und Arbeiter sind.“

Und warum nimmt der Initiator all die Arbeit auf sich, die mit der Leitung der AG verbunden ist? Matthias Dongus erklärt den Reiz wie folgt: „Mit Bienen zu arbeiten hat eine sehr beruhigende Wirkung, weil man sich möglichst ruhig verhalten muss, um sie nicht unnötig aufzuschrecken. Mich fasziniert besonders, wie die bis zu 50 000 einzelnen Bienen eines Volkes so gut organisiert sind und miteinander kommunizieren, dass sie gemeinsam wie ein einziger Superorganismus agieren.“ Auf die Frage, ob wir Menschen uns eigentlich auch etwas von den Bienen abschauen können, antwortet Matthias Dongus nachdenklich: „Vielleicht könnten wir von den Bienen lernen, uns selbst nicht so wichtig zu nehmen – aber wenn es sein muss, auch mal zu stechen.“

Sicher aber ist, für die Albert-Schäffle-Schule bringt die neue Arbeitsgemeinschaft mehrere Vorteile. Sie schafft ein Alleinstellungsmerkmal, das uns von den meisten anderen beruflichen Schulen abhebt. Vor allem fördert die Bienen-AG das handwerkliche Geschick der Teilnehmer und bildet damit einen bewussten Kontrast zu unserem kaufmännischen Profil. Eben diese willkommene Abwechslung im Schulalltag überzeugt auch Marilena Aslanidis aus der 12. Klasse: „Die AG bringt einfach frischen Wind in mein Schulleben. Es ist mal was Anderes, anstatt sich immer nur auf den ganzen theoretischen Stoff zu fokussieren. Ich kann die AG nur jedem empfehlen, der die Natur und Tierwelt besser verstehen möchte.“ Und nicht zuletzt profitiert die ASS dadurch, dass die Teilnehmer ein hochwertiges Merchandising-Produkt produzieren, das die Schule verschenken oder verkaufen kann.

Aber ein Einwand liegt auf der Hand: Wie gefährlich ist denn die Arbeit mit den Bienen? Lana Waldner verweist auf den speziellen weißen Imker-Schutzanzug, den fast alle Mitglieder der Bienen-AG tragen: „Der schützt uns perfekt vor möglichen Stichen.“ Verschmitzt lächelnd erzählt sie: „Gestochen wurde bisher nur einer: ausgerechnet Herr Dongus. Aber er trägt auch nie einen Schutzanzug.“ Der Gestochene verteidigt sich prompt mit feiner Ironie, die beweist, welch gute Atmosphäre in der AG herrscht: „Es könnte aber auch sein, dass die überwiegend aus Weibchen bestehenden Bienenvölker zu der ebenfalls überwiegend weiblich besetzten Bienen-AG einfach einen besseren Draht haben als zu mir.“ Geschlechtermobbing im Schulgarten der ASS? Ganz ernsthaft betont der Biologie-Lehrer: „Dass nur ich gestochen wurde, bestätigt, dass Bienen viel friedlicher und weniger stechlustig sind, als die meisten denken.“

Derart beruhigt bleibt nur noch eine Frage offen: Wie kommt man eigentlich an ein Glas des Schäffle-Honigs? Matthias Dongus macht Hoffnung: „Bisher haben wir unseren Honig nur auf dem Weihnachtsmarkt verkauft und an Gäste der Schule verschenkt. Da wir aber gerade expandieren, gibt es in Zukunft vielleicht auch noch andere Möglichkeiten.“ Sie merken also, es lohnt sich, als Gast bei Gelegenheit die ASS zu besuchen. Vielleicht im Rahmen des Ehemaligen-Netzwerks? Oder sie beteiligen sich an unserer aktuellen Spendenaktion, mit deren Hilfe wir die Unkosten für das neue Zuhause der Bienenvölker drei und vier tragen. Den entsprechenden Link finden Sie links in der Seitenleiste unter „Bienen-AG - Spenden“. Und wenn ihr, liebe Schüler, nun Lust bekommen habt, selbst „Gottes Wunder zu seh’n“ und in der Bienen-AG mitzumachen, kommt einfach auf Herrn Dongus zu.