Snakker du norsk?

Norwegen- das Land der Fjorde, Fjälle und Wasserfälle übt auf mich seit jeher eine besondere Anziehungskraft aus. Für mich ist und war Norwegen jedoch nicht nur als Urlauber interessant. Seit vielen Jahre unterhält die Albert-Schäffle-Schule, Nürtingen bereits eine Schulpartnerschaft mit der Sogndal vidaregåande skule, die wir auch zukünftig gerne intensivieren möchten. Gute Arbeitsbedingungen und ein für seine Chancengleichheit und Qualität bekanntes Bildungssystem haben in mir das Interesse geweckt den Schulalltag einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Durch das ERASMUS+ Projekt pASSport to Europe ergab sich im Jahr 2019 die Möglichkeit das Land, die Menschen, das Schulsystem und nicht zuletzt auch die Sprache näher kennenzulernen.


Station 1- Norwegisch lernen in Oslo


Mitte August 2019 startete meine Reise zunächst nach Oslo, wo ich an der Alfaskolen zu einem Intensivkurs Norwegisch eingeschrieben war. Viele Norweger sprechen hervorragend Englisch oder sogar Deutsch. Dennoch ist es gerade im schulischen Kontext sehr nützlich die Landessprache zusprechen.
Zunächst bedeutete dies für mich, die Perspektive zu wechseln.  Der Wechsel zurück auf die Schulbank bereitete unglaublich viel Spaß und bot nach langer Zeit wieder die Chance Fremdsprachenunterricht aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Der Kurs wartete bereits zu Beginn mit einer Herausforderung für mich auf, da ich nach wenigen Unterrichtsminuten feststellen musste, dass die anderen Teilnehmer bereits eine Woche Unterrichtsvorsprung hatten.
 
Der Erwerb der neuen Sprache, verbunden mit der Chance neue Methoden des Fremdspracherwerbs kennenzulernen und sich mit den internationalen Teilnehmern zu vernetzen, war in diesem Umfeld besonders spannend und lehrreich. Dazu bot sich in der wunderschönen Hauptstadt Norwegens die Möglichkeit viel über die Kultur, die Politik und das Leben der Norweger zu erfahren und bei den Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten wie etwa des Osloer Rathauses, der Akershus Festung oder des Folkemuseum Oslo die gelernte Sprache direkt anzuwenden. Mit einem Koffer voller Erfahrungen führte mich eine landschaftlich sehr beeindruckende Reise nach 6 Tagen weiter per Zug durch die Hardangervidda (die größte Hochebene Europas) und nach Flam. Von dort ging es per Schiff weiter durch den Sognefjord zu meinem nächsten Reiseziel: der Sogndal vidaregåande skule, wo ich von meiner Kollegin Heidi Fondenes sehr herzlich empfangen wurde.


Station 2- Unterrichtshospitation in Sogndal

„Jeg heter Karen Raff. Jeg er lærer i bedriftsadministrasjon og engelsk ved Albert-Schäffle-Schule i Tyskland.“ 

Mit diesem Satz begannen viele Unterrichtsstunden in der zweiten Woche meines Aufenthaltes in Norwegen, die ich als Gastlehrer an der Sogndal vidaregåande skule in Sogndal verbringen durfte. Bei unserer Partnerschule handelt es sich um eine kombinierte allgemeinbildende und berufsbildende Schule, die mit ca. 800 Schülern und 170 Lehrern eine mit der ASS vergleichbare Größe hat. Da viele Ähnlichkeiten zwi-schen den Schulen bestehen, weshalb auch Erfahrungen bestmöglich auf die ASS übertragen werden können und Digitalisierung und das Thema Chancengleichheit an der Schule eine wichtige Rolle spielen, hatte ich mich bei der Bewerbung für das Projekt für diese Schule ent-schieden. 

Digitalisierung wird in Norwegen großgeschrieben. Die hohe Digitalisierungsrate wird mittels des „Bring your own device-Ansatzes“ umgesetzt. Zur Umsetzung erhält jeder Schüler durch den norwe-gischen Staat monetäre Unterstützung zum Kauf eines Endgeräts. Die Entscheidung über den Geräte-typ trifft dabei die jeweilige Familie selbst. Es muss lediglich sichergestellt werden, dass die Schüler jederzeit ein Endgerät dabeihaben. Im Laufe der Woche konnte ich in den verschiedensten Klassen, angefangen vom Deutschunterricht in der Flüchtlingsklasse bis hin zum Berufsschulunterricht hospi-tieren und aus der Sicht der „Lehrkraft in der letzten Reihe“ das Für und Wider der Digitalisierung und den Einsatz eigener digitaler Endgeräte und verschiedener Methoden im Unterricht ausgiebig beobachten und bewerten. (Wobei ich anmerken möchte, dass auch die gelobten skandinavischen Schüler nicht vor den Verlockungen und der Ablenkung vom Unterricht angesichts der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gefeit sind :-)) 

Ähnlich wie an der ASS finden auch in Sogndal Kennlerntage für neue Schulklassen statt. Während meiner Zeit in Sogndal durfte ich eine Gruppe zu ihren Kennlerntagen in den Bergen Norwegens be-gleiten. Landestypisch wurden Schüler dazu in Zelten und einer Blockhütte untergebracht. Gleich am ersten Tag mussten die Schüler zunächst einen Sturmkocher aufzubauen und damit im Gelände das Mittagessen für eine Kleingruppe zuzubereiten. Kurz danach galt es sich in kreativen Kennlernspielen zu beweisen, bevor es gemeinsam mit den Kanus aufs Wasser ging, um auch dort die Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen. Natürlich kamen auch die Gemütlichkeit, lange Gespräche und der gemein-same Ausklang am abendlichen Lagerfeuer nicht zu kurz. 

Auch die zweite Woche in Norwegen war gespickt mit wunderbaren Eindrücken und Erfahrungen, einem intensiven Austausch mit den norwegischen Kollegen und der Möglichkeit Land und Leute, die Kultur und das Schulsystem aus nächster Nähe kennenzulernen. 

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei den norwegischen Kollegen und der dortigen Schullei-tung bedanken, die bereit waren mir einen Einblick in ihren Unterrichtsalltag und ihr Leben zu bieten und damit meinem ERASMUS+ Aufenthalt unglaublich bereichert haben.