„Woher kommen eigentlich die Rohstoffe für mein Smartphone? Wer produziert den Kakao für die Schokolade? Was passiert denn mit unseren Altkleidern?“ Mit diesen und anderen Fragen setzen sich Schüler und Lehrer der Nürtinger Albert-Schäffle-Schule (ASS) auseinander – seit Dezember 2021 ist die Bildungseinrichtung als „Fairtrade-School“ zertifiziert. Nun, im Frühjahr 2026, erfolgte die alle zwei Jahre anstehende Bestätigung.
Das Projekt wird von Religionslehrer und Schulseelsorger Bodo Klehr koordiniert, der die Bedeutung des Engagements hervorhob: „Als kaufmännische bzw. wirtschaftswissenschaftlich ausgerichtete Bildungseinrichtung ist unsere Schule geradezu prädestiniert, sich mit Fragen zu fairem Handel, Nachhaltigkeit, gerechten Wirtschaftsstrukturen und globalen Handelskontexten auseinanderzusetzen und sich zunehmend ‚brennenden‘ Themen, wie z.B. der Klima- und der Migrationskrise, zu stellen.“ Dies zeige, dass viele Jugendliche wie Lehrkräfte über den gewöhnlichen Horizont hinausschauten und aktuelle Herausforderungen annähmen. Zudem erweist sich die Schule als Kooperationspartner weiterer Nachhaltigkeits-Akteure in Nürtingen: die Kommune ist ebenfalls seit vier Jahren „Fairtrade-Town“, der Landkreis auf dem Weg der Zertifizierung, das Nürtinger Welthaus, die „Faire Gemeinde“ St. Johannes. . .
Besonders die Juniorenfirma Jufiassco mit ihrem Lehrer Jochen Frey engagiert sich durch den Ein- und Verkauf der Fairtrade-Produkte für die diversen Verkaufspunkte an der Schule – dabei werden regelmäßig Exkursionen zum Welthaus/-laden durchgeführt und der Einzelhandel vor Ort unterstützt. Hienos A. Mehari, Schüler des Berufskollegs und bei der Juniorenfirma meint: „Durch meine familiären Wurzeln in Eritrea finde ich das Thema Fairtrade besonders wichtig, weil viele Menschen dort unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Deshalb ist es gut, dass wir uns als Schule für mehr Gerechtigkeit und Zukunftschancen einsetzen.“
Für den Titel „Fairtrade-School“ muss die Albert-Schäffle-Schule fünf Kriterien erfüllen: Zunächst gründete sich ein Schulteam und legte im sogenannten „Kompass“ die Ziele des künftigen Engagements fest. Neben der Verwendung fair gehandelter Produkte an der Schule, wie z.B. Kaffee oder Pausensnacks, werden der faire Handel im Unterricht behandelt und mindestens eine Fairtrade-Veranstaltung im Schuljahr organisiert. Dass die Idee funktioniert, zeigt das große bundesweite Interesse von Schulen jeder Schulform und Größe: insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile über 1.000 Fairtrade-Schulen.