Gelebtes Europa in Dublin

Als ich von der Möglichkeit einer Fortbildung für Lehrer im europäischen Ausland über Erasmus+ erfuhr, war ich sofort Feuer und Flamme. Durch meinen Unterrichtsschwerpunkt Wirtschaft und Englisch – und insbesondere aufgrund meines Einsatzes als Lehrkraft für internationale Wirtschaft am Wirtschaftsgymnasium unserer Schule – wollte ich mir eine solche Chance nicht entgehen lassen. Angespornt durch die Vorstellung des gemeinsamen Austausches mit Kollegen aus dem europäischen Ausland und voller Vorfreude im Gepäck machte ich mich also im November 2019 auf nach Dublin, der Hauptstadt Irlands, um dort für eine Woche an einem Seminar zum Thema „Soft Skills“ teilzunehmen.

Ich reiste bereits am Wochenende davor an, um vor Ort die malerische irische Landschaft zu genießen bevor dann der fachliche Teil in der Stadt startete. Gut erholt und mit großartigen Impressionen des Wochenendes im Gedächtnis begann ich dann am Montag im irischen Gebäude des Seminarveranstalters EUROPASS meine Fortbildung. Als junge Lehrkraft hatte ich mir dieses Seminar bewusst ausgesucht, um noch kompetenter im Umgang mit unseren Schülern zu sein, war mir doch mittlerweile immer mehr klar geworden, dass die Beziehungsebene zu den Schülern für den Unterrichtserfolg enorme Bedeutung hat. Hierüber wollte ich mehr erfahren und auch anhand des gegenseitigen Austausches mit Kollegen aus – wie sich herausstellte – Slowenien, Tschechien, Schweden und Griechenland meinen eigenen Horizont erweitern. Es war spannend anhand der Geschichten der Teilnehmenden zu dem Ergebnis zu kommen, dass der Unterricht – mag er auch an unterschiedlichen Orten Europas stattfinden – auf letztlich ähnliche Gegebenheiten trifft: auf mehr oder weniger motivierte Schüler, mit kleinen und größeren Problemen und einem Stoff, für den sie begeistert werden sollen. Anhand vieler praktischer Übungen zur Körpersprache und zur verbalen Ausdrucksfähigkeit konnte ich im Laufe der Woche meine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern. Auch die dauerhafte Kommunikation auf Englisch war eine willkommene Abwechslung und so nutzte ich jede Gelegenheit, um meine Sprachfertigkeit auszubauen.

Nach dem täglichen Seminarende blieb zudem genügend Zeit, um Dublin zu erkunden. Durch die tolle Lage des Seminars im Herzen der Stadt unweit des St. Steven Green (dem vielleicht schönste Park Dublins) und der Grafton Street (der Haupteinkaufsstraße), war es leicht möglich, ein umfassendes Kulturprogramm wahrzunehmen. So nutzte ich die Zeit, um gemeinsam mit meinen Seminarkollegen im „Little Museum of Dublin“ und dem „Post Office“ mehr über die Stadtgeschichte Dublins und die irische Unabhängigkeitsbewegung 1916 zu erfahren, Kunst in der National Gallery of Ireland zu betrachten oder in der Library of Trinty College das Book of Kells (eine illustrierte Handschrift aus dem 8. Jahrhundert) zu studieren. Und natürlich durfte ein Pub-Besuch mit Guinness in freundlicher Runde nicht fehlen.

Leider ging die Woche viel zu schnell vorbei und so musste ich schweren Herzens – bereichert durch neue Freundschaften, tolle Gesprächen, anregende Impulsen für den eigenen Unterricht und aufgefrischtem Englisch – am Samstag die Heimreise antreten. Ich bin der Europäischen Union für eine Woche „gelebtes Europa“ unglaublich dankbar!